Aufsichtsratspräsident: OMV-Verkauf an Gazprom "steht nicht zur Debatte"

28. Dezember 2015, 18:16
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OMV-Aufsichtsratspräsident Oswald stellt Zerschlagung in Abrede. Bei den Gasleitungen wird eine Lösung mit Verbund angedacht

Wien – Die Annäherungsversuche zwischen OMV und Gazprom sorgen für Aufregung. Nach der Kritik von Ex-Siemens-Managerin Brigitte Ederer im STANDARD und der Warnung vor einer Zerschlagung hat sich auch die Gewerkschaft kritisch zum angepeilten Tauschgeschäft geäußert, bei dem die OMV eine Beteiligung am sibirischen Gasfeld Urengoy, die Gazprom einen noch nicht geklärten Vermögensgegenstand der Österreicher erhalten würde.

Roman Hebenstreit, Vizechef der Gewerkschaft Vida, forderte die Regierung auf, ein "klares Bekenntnis zur Staatsbeteiligung" an der OMV abzulegen. Er erinnerte in diesem Zusammenhang an die "leidige Telekom-Geschichte", wobei er die Mehrheitsübernahme der Telekom Austria durch die mexikanische América Móvil meint. OMV-Aufsichtsratschef Peter Oswald reagierte auf die Kritik mit einer Klarstellung: "Ein Verkauf der OMV steht nicht zur Debatte." Entsprechende Schritte seien Angelegenheit des Eigentümers, hielt Oswald – im Hauptberuf Chef des Papierkonzerns Mondi – auf STANDARD-Anfrage fest.

"Erst Frühstadium der Verhandlungen"

Zwar verstehe er Befürchtungen über Aushöhlung und Abhängigkeiten, allerdings müsse die OMV ihre Rentabilität in einem schwierigen Marktumfeld verbessern. Daher müssten "verschiedene Optionen" geprüft werden. Oswald zum Stand der Gespräche mit den Russen: "Es wird immer so getan, als ob betreffend Gazprom alles in trockenen Tüchern ist, obwohl wir erst in einem Frühstadium der Verhandlungen sind." Und der OMV-Präsident an die Adresse der Kritiker: "Mancher externe Zuruf erscheint entbehrlich."

Die OMV selbst hielt sich mit konkreten Aussagen zurück. Dafür tut sich im Hintergrund einiges. Zu hören ist beispielsweise, dass der geplante Verkauf von 49 Prozent an der Pipeline-Gesellschaft Gas Connect Austria nicht im Zusammenhang mit der Gazprom stehe. Das Unternehmen besitzt und betreibt fast alle wichtigen Erdgas-Fernleitungen im Land. Dem Vernehmen nach sollen eher institutionelle Investoren angesprochen werden, die sich auch mit niedrigeren Renditen zufriedengeben.

Alternative: Verbund-Einstieg

Da es auch Bedenken gegen internationale Finanzinvestoren gibt, sind aber weitere Alternativen im Gespräch. So wird in Regierungskreisen ein Einstieg des Stromkonzerns Verbund bei der Gas Connect Austria diskutiert. Der Vorteil: Der Verbund steht mehrheitlich in staatlichem Eigentum, das zudem verfassungsrechtlich abgesichert ist. Allerdings soll es Bedenken des Verbunds, der an der Wiener Börse notiert, geben. Ein kritischer Punkt: Die Gastarife sind stark vom Regulator abhängig, weshalb die künftige Rentabilität des Investments nur schwer abzuschätzen sei. Bestätigen wollte die Überlegungen niemand.

Jedenfalls könnte ein Verbund-Einstieg bei der Gas Connect Austria, deren Leitungen in den letzten Jahren zur Verbesserung der Energieversorgung aufgerüstet wurden, Gewerkschaft und Arbeiterkammer beruhigen. Letztere betonte jüngst in der Ausgabe ihrer Publikation "Standpunkte": "Netze im Energie- oder Mobilitätsbereich zu verkaufen war bisher immer tabu. Diese Einrichtungen gehören ganz klar zum strategischen Eigentum eines Staates."

Angespannte Finanzsituation

Jedenfalls dient die Veräußerung dazu, die Verschuldung von zuletzt 5,4 Milliarden Euro zu senken. Die Kapitalaufnahme verursacht derzeit Kosten von mehr als sechs Prozent, ist zu hören. Renditen darunter, wie eben bei der Gas Connect Austria, seien daher nicht ausreichend. Die leicht angespannte Situation der OMV ist auch der Grund für den geplanten Asset-Tausch mit der Gazprom. Zwar könnten die rund zwei Milliarden Euro für den Anteil am sibirischen Gasfeld auch über den Kapitalmarkt finanziert werden. Allerdings wäre das mit dem Ziel, die Verschuldungsrate von derzeit 38 auf 30 zu senken, nur schwer vereinbar, meinen Insider.

Was nun tatsächlich getauscht wird, ist nach wie vor offen. Die umstrittene Abgabe der Raffinerien in Schwechat und im bayerischen Burghausen steht ebenso zur Debatte wie diverse Produktionsstätten. Das Problem: Die Gazprom hat genug Förderstätten und spitzt auf Infrastruktur in Europa. (as, 28.12.2015)

  • Artikelbild
    foto: reuters
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