Forscher enthüllen bisexuelle Gehirnarchitektur der Wirbeltiere

30. Dezember 2015, 06:00
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Genitalien werden im Gehirn auf der gleichen anatomischen Karte abgebildet

Berlin – Die äußeren Geschlechtsorgane von Wirbeltieren unterscheiden sich normalerweise erheblich voneinander. Im Gehirn dagegen werden die Genitalien auf der gleichen anatomischen Karte abgebildet, wie eine aktuelle Untersuchung deutscher Wissenschafter zeigt.

Forscher um Michael Brecht an der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) und am Bernstein Zentrum Berlin konnten mit physiologischen und anatomischen Verfahren eine markante Repräsentation der Genitalien in der Körperfühl-Hirnrinde der Ratte identifizieren. Größe, Form und Stellung lassen die kortikale Penis-Darstellung phallisch erscheinen und deuten auf eine sexuelle Funktion des Geschlechts hin. In Übereinstimmung mit einer sexuellen Funktion der Genitalhirnrinde beobachteten die Forscher ein erhebliches Wachstum der relativen Größe der Genitalregion in der Pubertät.

Taktile Empfindungen werden im Gehirn in Form von geordneten Karten der Körperoberfläche repräsentiert. Im Gehirn der Säugetiere befindet sich die größte Karte in der sogenannten somatosensorischen Hirnrinde. Trotz des großen wissenschaftlichen Interesses ist die Darstellung der Genitalien in der somatosensorischen Hirnrinde in wesentlichen Aspekten immer noch unklar. Bei Säugetieren zeigen die äußeren Genitalien einen ausgeprägten sexuellen Dimorphismus und können sich bei sexueller Erregung in Größe und Form verändern.

Klitoris und Penis identisch

In einer neuen Studie im Fachjournal "Current Biology" ist es den Forschern der HU und dem Marine Biology Lab in Woods Hole, Massachusetts, gelungen, eine hochauflösende Kartierung der Genitalregion in der somatosensorischen Hirnrinde darzustellen. In dieser Studie wird aufgezeigt, dass trotz des ausgeprägten sexuellen Dimorphismus der äußeren Genitalien der Ratte die Körperkarten von Klitoris und Penis identisch sind. Das bedeutet, dass die Genitalrepräsentation in der Hirnrinde sexuell monomorph, also heißt gleichförmig, ist.

Die hochauflösende Kartierung deutet daher auf eine tiefgehende Homologie der Genitalrepräsentationen von Penis und Klitoris im Gehirn hin. Die Ergebnisse passen zu anderen Befunden, die ebenfalls auf eine weitgehend bisexuelle Architektur des Wirbeltiergehirns hindeuten. (red, 30.12.2015)

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