Neue Hürden für Rollstuhlfahrer nach ÖBB-Fahrplanwechsel

29. Dezember 2015, 09:00
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Clemens I., der von Pöchlarn nach Sankt Pölten und retour pendelt, vermisst auf seiner Strecke barrierefreie Züge

Sankt Pölten / Wien – Clemens I. fährt seit 2010 regelmäßig mit der Bahn. Unter der Woche braucht er täglich die Zugverbindung von Pöchlarn nach Sankt Pölten, um zur Arbeit zu pendeln. Mit dem Auto zu fahren "geht nicht mehr", sagt Clemens I. Er ist 30 Jahre alt und sitzt im Rollstuhl. Seit dem Fahrplanwechsel 2012/13 habe sich die Möglichkeit, barrierefreie Verbindungen zu nutzen, verschlechtert. Als er sich darüber bei den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) beschwerte, sei er auf den Fahrplanwechsel 2015/16 vertröstet worden, sagt I. Der 13. Dezember dieses Jahres habe ihn dann überrascht: allerdings negativ.

"Türen so schmal"

Denn seither gebe es die für ihn als Rollstuhlfahrer geeigneten Zugverbindungen noch seltener. "Es sind plötzlich viele Rex 200 unterwegs, bei denen es nicht nur Einstiege mit Stufen gibt, sondern wo der Rollstuhl auch nur hochkant durch die Türen gehoben werden kann, weil die Türen so schmal sind", sagt I. dem STANDARD.

Die Garnituren seien im Schnitt rund 40 Jahre alt. Zum Teil seien zudem laut elektronischer Fahrplan-App Züge als Niederflurgarnituren ausgewiesen gewesen, die es dann gar nicht waren. "Das kann anfänglich beziehungsweise vor dem Fahrplanwechsel sein – wurde jedoch bereits überarbeitet", erklärt man dazu vonseiten der ÖBB.

Zu früh oder zu spät

I. sagt, er müsste um kurz vor fünf Uhr morgens einen Niederflurzug zur Arbeit nehmen, doch damit wäre er dann viel zu früh in der Landeshauptstadt. Der nächste barrierefreie Zug gehe dann aber zu spät. Es bestehe also keine Möglichkeit, ohne Hilfe zuzusteigen, um zur Arbeit zu kommen. Bei der ÖBB verweist man auf einen Zug, der um 7.16 Uhr in Sankt Pölten ankommt – für I. zeitlich ideal. Dieser Regionalzug weist Stellplätze für Rollstuhlfahrer auf, ist aber kein Niederflurzug.

"Wozu barrierefreie Bahnhöfe?"

Viele der von I. beschriebenen Regionalzüge haben aber nicht einmal einen Rollstuhlstellplatz. "Wozu gibt es die ganzen barrierefreien Bahnhöfe, wenn keine entsprechenden Züge fahren?", fragt Clemens I. Außerdem will er wissen, wo die Niederflurzüge im Einsatz sind. Die ÖBB: "In der gesamten Ostregion sind Niederflurfahrzeuge im Einsatz", seit dem Fahrplanwechsel zusätzlich auch neue Cityjetgarnituren: "Die insgesamt 61 neuen Triebwägen werden im Laufe des Jahres 2017 vollzählig zur Verfügung stehen." Man versuche "darauf zu achten, dass überall entsprechende, regelmäßige, barrierefreie Verbindungen angeboten werden" .

Verbesserungen ab Februar

Für Herrn I. hat die Bahn aber auch konkretere gute Nachrichten: Ab 8. Februar 2016 werden demnach am Nachmittag beziehungsweise Abend von Sankt Pölten nach Pöchlarn (Abfahrt um 15.36 Uhr und 17.36 Uhr) sowie zurück (Abfahrt in Pöchlarn um 16.54 und 18.54 Uhr) je zwei weitere barrierefreie Verbindungen eingeführt – die auch für Passagiere mit Kinderwägen oder Radtouristen eine Erleichterung darstellen.

Ob es seit dem Fahrplanwechsel auf dem gesamten ÖBB-Streckennetz insgesamt mehr oder weniger barrierefreie Verbindungen gibt, konnte man bei der ÖBB nicht sagen. (Gudrun Springer, 29.12.2015)

  • Clemens I. wünscht sich mehr Zugverbindungen mit Niederflurgarnituren wie diesen ÖBB-Nahverkehrszügen. Für den Pendler im Rollstuhl hat sich das Bahnfahren von Pöchlarn nach St. Pölten seit dem Fahrplanwechsel verschlechtert.
    foto: öbb

    Clemens I. wünscht sich mehr Zugverbindungen mit Niederflurgarnituren wie diesen ÖBB-Nahverkehrszügen. Für den Pendler im Rollstuhl hat sich das Bahnfahren von Pöchlarn nach St. Pölten seit dem Fahrplanwechsel verschlechtert.

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