Iraks Premier Abadi besuchte von IS befreites Ramadi

29. Dezember 2015, 14:10
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IS laut irakischer Armee aus Provinzhauptstadt Anbars vertrieben – Premier Abadi will IS 2016 aus dem Land verdrängen

Ramadi/Damaskus –Der irakische Ministerpräsident Haider al-Abadi ist nach dem Sieg gegen die radikalislamische IS-Miliz in Ramadi zu einem Überraschungsbesuch in der mehrheitlich befreiten Provinzhauptstadt von Anbar eingetroffen. Er sei am Dienstag in einem Hubschrauber auf dem Gelände der Universität am südlichen Rand der Stadt gelandet.

Vorgesehen seien Treffen mit leitenden Vertretern des Militärs und der Terrorismusbekämpfung, die an der Offensive auf Ramadi beteiligt gewesen seien, hieß es.

Abadi hatte am Montag die Rückeroberung Ramadis bekannt gegeben. Die Stadt war im Mai in die Hände des IS gefallen. Für die Armee ist der Sieg in Ramadi ein wichtiger und lang ersehnter Erfolg. 2016 soll nach den Worten Abadis das Jahr werden, in dem der "Islamische Staat" (IS) im Irak endgültig besiegt wird. Die Miliz hatte im Sommer 2014 in einer Blitzoffensive weite Teile des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Sie beherrscht zudem große Gebiete im benachbarten Syrien.

Weitgehende Befreiung

Die Aktion lief nicht gerade ohne Rückschläge: Mehrfach hatte die irakische Regierung die Einnahme der Stadt Ramadi angekündigt, am Montag folgte nun die Erfolgsmeldung. Das staatliche Fernsehen zeigte, wie Soldaten die Nationalflagge auf dem Regierungskomplex Ramadis hissten. Allerdings waren auch während der Übertragung im Hintergrund noch immer Explosionen und Schüsse zu hören. Der Gouverneur der Provinz Anbar, Soheib Alrawi, sagte am Abend allerdings, die Befreiung der Stadt sei noch nicht vollständig abgeschlossen.

"Ramadi ist befreit", sagte Brigadegeneral Yahya Rasool allerdings bereits im Staatsfernsehen. Auch Parlamentspräsident Salim al-Juburi beglückwünschte die Soldaten zur "Befreiung der Stadt Ramadi vom Terrorismus". Deutschlands Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte in Berlin, die Rückeroberung Ramadis zeige einmal mehr, dass der "IS nicht unbesiegbar ist, weder im Irak noch in Syrien".

Kerry lobt irakische Armee

US-Außenminister John Kerry erklärte, die irakischen Truppen hätten mit gewaltigem Mut und Tapferkeit gekämpft. "Das irakische Militär bekämpft den Feind mit Ausdauer, Geschick und Entschlossenheit." Ramadi sei kein isoliertes Ereignis, sondern stehe in einer Reihe mit großen Verlusten des IS im Irak und im nördlichen Syrien. Auch US-Verteidigungsminister Ashton Carter sprach von einem "signifikanten Schritt vorwärts im Kampf gegen diese barbarische Gruppe".

Kämpfe seit Dezember

Der IS hatte die hundert Kilometer westlich von Bagdad gelegene Stadt Ramadi im Mai erobert. Anfang Dezember erkämpfte die Armee, die von Kampfflugzeugen der US-geführten internationalen Militärallianz unterstützt wird, mehrere große Stadtteile von Ramadi zurück. Am Dienstag rückte sie ins Stadtzentrum vor.

Im Laufe der Woche flog die internationale Koalition nach eigenen Angaben 31 Luftangriffe auf Ramadi, um die irakischen Soldaten zu unterstützen. Die Befreiung der Stadt sei "das Ergebnis von vielen Monaten harter Arbeit der irakischen Armee, der Anti-Terror-Einheit, der irakischen Luftwaffe, von örtlichen und nationalen Polizeikräften und Stammeskämpfern", sagte der Sprecher der Militärkoalition, Steve Warren.

Zahlreiche Sprengfallen

Die irakische Armee begann am Montag damit, die von den Jihadisten installierten Sprengfallen zu entschärfen. Allein in den Regierungsgebäuden und den Zufahrtsstraßen wurden nach Militärangaben 300 Bomben und Sprengsätze deponiert. Die vor den Kämpfen geflohenen Einwohner Ramadis kehrten nur langsam in die zerstörte Stadt zurück.

Der IS hatte im Sommer 2014 große Teile Syriens und des Nordiraks erobert. Nach Angaben eines US-Instituts verlor die Miliz seit Jahresbeginn aber 14 Prozent seines Gebietes. Nach dem Sieg in Ramadi könne die Armee nun die Rückeroberung der Provinz Niniwe in Angriff nehmen, sagte Parlamentspräsident al-Juburi. In der dortigen Provinzhauptstadt Mossul hatte IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi vor eineinhalb Jahren sein "Kalifat" ausgerufen. (APA, Reuters, 28.12.2015)

  • Soldaten hissten die Nationalflagge auf dem Amtssitz der Provinzregierung in Ramadi.
    foto: apa / afp / ahmad al-rubaye

    Soldaten hissten die Nationalflagge auf dem Amtssitz der Provinzregierung in Ramadi.

  • Ein Soldat der irakischen Streitkräfte in Ramadi.
    foto: afp photo / ahmad al-rubaye

    Ein Soldat der irakischen Streitkräfte in Ramadi.

  • Premierminister Haider al-Abadi in Ramadi
    foto: apa/afp/iraqi prime minister's office

    Premierminister Haider al-Abadi in Ramadi

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