Der Völlerei davonlaufen: Der Papst und die joggenden Weihnachtsmänner

27. Dezember 2015, 17:56
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Es muss sich erst weisen, ob dieser Attacke wundersame Nachhaltigkeit innewohnt

Eigentlich sollte es um die Hammersprüche des Jahres gehen. Da aber der mit Griechenland hadernde EU-Parlamentspräsident Martin Schulz ("Ich hab die Faxen dicke!"), Alexis Tsipras ("Wer versucht, uns zu demütigen, wird das Gegenteil erreichen!") und Angela Merkel ("Wir schaffen das!") so uneinholbar ex aequo führen, erübrigt sich eine längere Topliste.

Außerdem ereignete sich zwischen Rom und Berlin womöglich ein Weihnachtswunder der reuigen Umkehr, von dem zu berichten die TV-Chronistenpflicht gebietet. Papst Franziskus wandte sich – wie jedes Jahr – telegen an den Globus und geißelte nun unter anderem auch eine "Gesellschaft, die oft trunken" sei von "Konsum und Vergnügung".

Und siehe da! Nur wenige Stunden später ließen diese mahnenden Worte offenbar in den Seelen von 350 deutschen Weihnachtsmännern die hehre Einsicht sprießen, fehlgehandelt zu haben. Es kam im Berliner Grunewald zu einem Zehnkilometerlauf gegen Speck, gegen den sich ansetzenden Gänsebraten. Nachdem es offenbar auch im Himmel eine Party gegeben hatte, wurden selbst Engel gesichtet, die nach kulinarischer Ausschweifung im Wald ihre Flugleichtigkeit herbeitrainierten.

Rührend anzusehen war das. Allerdings muss es sich erst weisen, ob dieser Attacke auf die Todsünde der Völlerei wundersame Nachhaltigkeit innewohnt oder ob es sich dabei nur um eine im Verdauungstrakt Platz schaffende Vorbereitung auf das Fest zum Jahreswechsel handelt. Der Papst jedenfalls sollte mit der Heiligsprechung der ihre Sünden wegschwitzenden Weihnachtsmänner zuwarten. Nach der Laufbeichte gab es Glühwein in sichtbar heiterkeitsfördernder Menge. (Ljubiša Tošić, 27.12.2015)

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