Palästinenser bei versuchter Messerattacke in Jerusalem erschossen

27. Dezember 2015, 10:42
9 Postings

Israeli bei zweiter Attacke binnen 24 Stunden verletzt

Jerusalem – Bei einer neuen Messerattacke auf einen israelischen Polizisten ist in Jerusalem am Wochenende zwei junge Palästinenser erschossen worden, bei einer zweiten Attacke binnen 24 Stunden wurde ein Israeli leicht verletzt. Die Gewalt war von einem Video jüdischer Extremisten angeheizt worden, in dem der Feuertod eines palästinensischen Kindes gefeiert wird.

Die jüngste Messerattacke ereignete sich am Sonntagmorgen nahe dem zentralen Busbahnhof in West-Jerusalem, von dem Sonntags stets hunderte israelische Soldaten zu ihren Stützpunkten zurückkehren. Ein Palästinenser habe einen Soldaten leicht mit einem Küchenmesser verletzt, sei dann von einem privaten Wachmann überwältigt worden, erklärte die Polizei. Der Angreifer sei verhaftet worden.

Nach Schuss Verletzungen erlegen

Am Samstagmorgen wollten Polizisten in der Jerusalemer Altstadt einen Verdächtigen kontrollieren. Als der Palästinenser ein Messer gezogen habe, sei er angeschossen worden und später seinen Verletzungen erlegen, teilte die Polizei mit.

Am Samstagnachmittag hatten nach Polizeiangaben etwa 150 palästinensische Demonstranten entlang der Mauer der Altstadt in Ostjerusalem gegen die Praxis der israelischen Behörden protestiert, die Leichen getöteter palästinensischer Angreifer zu behalten und nicht ihren Angehörigen auszuhändigen. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschoße gegen die Demonstranten vor, als aus deren Reihen Steine geworfen wurden. Dem palästinensischen Roten Halbmond zufolge gab es etwa zwei Dutzend Verletzte.

Angespannte Lage

In Israel und den besetzten Palästinensergebieten ist die Lage seit Monaten stark angespannt. Seit Anfang Oktober gab es zahlreiche Messerattacken von Palästinensern auf Israelis. Bei Angriffen und Unruhen wurden seitdem laut einer Zählung einer Nachrichtenagentur 133 Palästinenser, 19 Israelis, ein US-Bürger und ein Eritreer getötet. Zahlreiche weitere Menschen wurden verletzt.

Der Zorn der Palästinenser war durch ein Video angefacht worden, in dem jüdische Extremisten den Feuertod eines palästinensischen Kleinkinds feiern. In dem Video sind Gäste bei der Hochzeit eines rechtsradikalen Brautpaares zu sehen, die mit Waffen, Messern und einem Molotowcocktail tanzen und einem Foto eines im Juli bei einem Brandanschlag getöteten palästinensischen Buben Messerstiche versetzen. Das am Mittwochabend im israelischen Fernsehen gezeigte Video verbreitete sich schnell im Internet.

Papst für Wiederaufnahme der Friedensgespräche

Am Donnerstag leitete die israelische Justiz Ermittlungen dazu ein. Israelischen Medienberichten zufolge wurde der Bräutigam schon früher zu Vergehen im Zusammenhang mit "jüdischem Extremismus" befragt. Andere Hochzeitsgäste waren demnach Freunde oder Verwandte von Verdächtigen, die im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf die palästinensische Familie festgenommen worden waren.

Papst Franziskus plädierte in seiner Weihnachtsansprache am Freitag für eine Wiederaufnahme der Nahost-Friedensgespräche. Israelis und Palästinenser sollten "in direkten Dialog miteinander treten", sagte er. Notwendig sei eine Übereinkunft zur Überwindung des Konflikts, der "schwere Auswirkungen" auf die gesamte Region habe. Die Friedensgespräche zwischen Israelis und Palästinensern liegen auf Eis, seit der letzte Vermittlungsversuch von US-Außenminister John Kerry im April 2014 scheiterte. (APA, AFP, 27.12.2015)

Share if you care.