Liebe triumphiert über Hunger ... und das ist auch gut so

1. Jänner 2016, 12:42
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Ein Experiment mit Kohlmeisen zeigte, wo bei den Tieren die Prioritäten liegen – und wie diese die Studienleiter austricksten

Oxford – Mit einem Experiment haben britische Forscher gezeigt, dass Liebe nicht durch, sondern über den Magen geht – genauer gesagt dass Tiere sich dafür entscheiden können, dass ihnen die Bindung an den Partner wichtiger ist als Nahrung. Ungeplantermaßen kam dabei aber auch noch heraus, dass die Liebe Wege findet, den Magen doch noch zu füllen.

Für das Experiment zogen die Forscher um Josh Firth von der Universität Oxford Kohlmeisen heran, die mit kleinen Sendern ausgestattet waren, durch die jedes Tier einen eigenen Identifikationscode aufwies. Über diesen Code ließ sich steuern, ob einem Tier das Türchen an einer automatischen Fütterungsstation geöffnet wurde oder nicht.

Geschlossene Gesellschaft

Und nun wird es perfide: Die Forscher hatten es nämlich auf Kohlmeisenpärchen abgesehen. Sie stellten die Fütterungsstationen so ein, dass sie sich immer nur für einen aus dem Paar öffneten – der oder die andere erhielt Futter nur an einer Station, zu der wiederum der Partner keinen Zugang hatte.

Das Ergebnis: Die Partnerbindung war offenbar der wichtigere Antrieb, die Ausgeschlossenen verbrachten erstaunlich viel Zeit bei ihrem Partner und somit an einer Futterquelle, die sie selbst nicht nutzen konnten. Bei einer Kontrollgruppe, in der die Paarbindung nicht derart belastet war, wurden die unergiebigen Futterquellen deutlich seltener frequentiert.

Laut Firth rechnet sich dieses Verhalten auf längere Sicht: Die Kohlmeisen sind für Fortpflanzung und Aufzucht der Jungen auf ihren Partner angewiesen. Diese Unterstützung wiegt letztlich schwerer als zwischenzeitlicher Hunger.

Trick 17

Allerdings ist das noch nicht das Ende vom Lied: Die Forscher konnten nämlich auch beobachten, wie die Vögel lernten, die Experimentalanordnung auszutricksen. Die Fütterungsstationen benötigten nämlich nach einer erlaubten Entnahme zwei Sekunden, um sich wieder zu schließen – gerade lange genug, dass ein Ausgeschlossener schnell noch einen Happen stibitzen konnte.

Das taten die Tiere auch – und nicht etwa beliebig, wann immer sich irgendein Vogel mit dem richtigen Code bedient hatte. Sondern hauptsächlich dann, wenn es der eigene Partner war. Die Forscher halten es für möglich, dass die Tiere eine kooperative Strategie entwickelten, um die Fütterungsstationen im Stil von Bonnie und Clyde zu plündern. (jdo, 1.1.2016)

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