Die verschwundenen Konkurrenten der Raubtiere

8. Jänner 2016, 18:14
22 Postings

Ähnlich und doch etwas ganz Anderes: Das Fossil eines Galecyon führt zurück in eine Welt vor Katzen, Hunden, Bären und Mardern

Tucson – Der Begriff "Raubtier" sorgt gelegentlich für Verwirrung. Umgangssprachlich wird er oft auf jedes fleischfressende Tier angewandt, das aktiv Jagd betreibt. Im eigentlichen Sinne bezeichnet er eine biologisch klar abgegrenzte Gruppe von miteinander verwandten Säugetieren, nämlich die Carnivora – von Katzen über Hyänen bis zu Hunden, Bären, Mardern und Robben.

Dass die Ordnung der Carnivora einen so allgemein klingenden Namen trägt, liegt nicht zuletzt daran, dass sie heute unter den mittelgroßen bis großen Landsäugetieren ein Beinahe-Monopol auf die jagende Lebensweise hat. Das war aber nicht immer so. Vor allem in der ersten Hälfte der Erdneuzeit waren großgewachsene Fleischfresser aus anderen Säugetierordnungen ihre – teilweise sogar übermächtigen – Konkurrenten: etwa die mit den Schweinen verwandten Entelodonten oder die Mesonychia, fleischfressende Huftiere, die mit den Ahnen der Wale verwandt sein dürften.

Die anderen Raubtiere

Eine weitere, sehr alte Gruppe räuberischer Säugetiere waren die Hyaenodontidae, benannt nach ihren "hyänenähnlichen" Zähnen. Sie waren allerdings weder mit Hyänen noch anderen heutigen Raubtieren verwandt, sondern gehörten zu einer vollkommen eigenständigen Säugetierordnung, die die räuberische Lebensweise für sich entdeckt hatte.

Sie entwickelten sich vor über 60 Millionen Jahren und brachten in der Folge auf den Kontinenten der Nordhalbkugel eine große Vielfalt hervor, von Riesen mit einer halben Tonne Gewicht über hundegroße Arten bis zu otterähnlichen. Damit konnten sie einen Großteil der ökologischen Nischen besetzen, die heute von den eigentlichen Raubtieren gehalten werden – und das auch noch zu Zeiten, als es längst Raubtiere gab und diese sich in ihre heute noch bestehenden zwei Grundlinien (Hunde- und Katzenartige) aufgespalten hatten.

Ein Fossilienfund aus Wyoming gibt nun Forschern weitere Hinweise darauf, warum die Hyaenodontidae lange Zeit so erfolgreich waren. Während von den Angehörigen dieser Ordnung bislang haupsächlich Zähne gefunden wurden, blieb von dem im "Journal of Vertebrate Paleontology" beschriebenen Tier das beinahe komplette Skelett erhalten. Es gehört zur bereits seit 100 Jahren bekannten Spezies Galecyon und stammt aus dem frühen Eozän.

Unterschiedliche Lebensweisen

Galecyon war etwa so groß wie ein Kojote. Allerdings handelte es sich offenbar nicht um einen begnadeten Läufer, wie die Forscher um Shawn Zack von der University of Arizona berichten. Das Skelett weist darauf hin, dass sich das Tier etwa wie ein heutiger Vielfraß oder ein Stinktier bewegt haben dürfte. Trotz Watschelgangs dürfte es aber primär ein Bodenbewohner gewesen sein – anders als einige seiner näheren Verwandten, die hauptsächlich in Bäumen lebten.

Zack schließt aus dem Fund, dass die Hyaenodontidae schon sehr früh die unterschiedlichsten Habitate besiedelten. Aufgrund ihrer verschiedenen Vorlieben konnten mehrere Arten nebeneinander existieren – selbst wenn sie sich in Größe und Ernährungsweise kaum voneinander unterschieden.

Langfristig hatten die Hyaenodontidae allerdings gegenüber den Raubtieren, die sich ebenfalls in immer mehr unterschiedliche Formen aufsplitterten, das Nachsehen: Vor etwa elf Millionen Jahren starben die Hyaenodontidae aus, ohne heutige Verwandte zu hinterlassen. (jdo, 8. 1. 2016)

  • Räuber, aber kein Raubtier: die kojotengroße Spezies Galecyon aus Nordamerika.
    foto: journal of vertebrate paleontology

    Räuber, aber kein Raubtier: die kojotengroße Spezies Galecyon aus Nordamerika.

Share if you care.