Der Papst arbeitet, die Römer streiken

26. Dezember 2015, 13:35
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Papst Franziskus hat über die Weihnachtstage zehntausende von Pilgern verzückt – derweil zeigte sich das weltliche Rom von seiner schlechtesten Seite

Rom – In der Christmesse von Heiligabend hat der Papst in der mit Blumen geschmückten Petersbasilika die Gläubigen daran erinnert, dass das Jesuskind im Stall von Bethlehem in großer Armut geboren sei. "In einer Gesellschaft, die oft trunken ist von Konsum und Vergnügung, von Überfluss und Luxus, von Augenschein und Eigenliebe, ruft uns Christus zu einem nüchtern-besonnenen, zu einem einfachen, ausgewogenen und gradlinigen Verhalten auf, das fähig ist, das Wesentliche zu erfassen und zu leben", betonte Franziskus. In einer "Kultur der Gleichgültigkeit, die am Ende nicht selten erbarmungslos ist, soll unser Lebensstil erfüllt sein von Erbarmen, Einfühlungsvermögen, Mitleid und Barmherzigkeit".

In seiner Weihnachtsansprache vor der Erteilung des Segens Urbi et Orbi (der Stadt und dem Weltkreis) ging der Papst wie gewohnt auf die zahlreichen Konfliktherde und Notsituationen auf dem Globus ein. Er hat daran erinnert, dass auch dort, wo der Gottessohn geboren sei, die Spannungen und die Gewalt weitergingen. Er forderte Israelis und Palästinenser auf, wieder in einen direkten Dialog zu treten, um den seit Jahren schwelenden Konflikt endlich zu überwinden. Weiter hoffte der Papst auf ein möglichst baldiges Kriegsende in Syrien und auf die internationale Unterstützung für die Friedensvereinbarung in Libyen.

IS-Terror

Franziskus ging auch auf den Terror des sogenannten Islamischen Staates ein. "Möge die internationale Gemeinschaft einhellig ihr Augenmerk darauf richten, die Grausamkeiten zu unterbinden, die ungeheures Leiden verursachen und nicht einmal das historische und kulturelle Erbe ganzer Völker schonen", sagte der Papst. Und: "Meine Gedanken gehen auch zu all denen, die von unmenschlichen terroristischen Aktionen betroffen waren, besonders von den jüngsten Massakern unter ägyptischem Himmel, in Beirut, Paris, Bamako und Tunis."

Einen besonderen Dank richtete Franziskus an all jene – "Einzelne und Staaten" –, die sich "großherzig einsetzen, um den zahlreichen Migranten und Flüchtlingen beizustehen und sie aufzunehmen, und ihnen helfen, für sich und ihre Lieben eine würdige Zukunft aufzubauen und sich in die Gesellschaften, die sie empfangen, einzufügen."Allein die Barmherzigkeit könne die Menschheit von den vielen, manchmal ungeheuerlichen Formen des Bösen befreien, die der Egoismus in ihr hervorbringe, betonte der Papst und erinnerte zugleich daran, dass man sich im Heiligen Jahr der Barmherzigkeit befinde.

Böse Überraschung

Zum Urbi et Orbi hatten sich auf dem Petersplatz rund 50.000 Pilger und Gläubige eingefunden, die dem Papst immer wieder begeistert zujubelten. Nach der Erteilung des Segens erwartete die Massen freilich eine böse Überraschung: Die Angestellten der Römer Verkehrsbetriebe waren auf die gloriose Idee gekommen, ausgerechnet am Weihnachtstag ab Mittag – also unmittelbar nach dem Urbi et Orbi – in einen Streik zu treten. Selbst die Einheimischen, die Streiks gewohnt sind, konnten sich nicht an einen ähnlichen Arbeitsausstand erinnern und waren sprachlos vor Wut.

Wegen der Überschreitung der Feinstaub-Grenzwerte sollte in Rom (wie in Mailand und zahlreichen anderen italienischen Städten) in diesen Tagen eigentlich der Privatverkehr eingeschränkt werden – ein Streik des öffentlichen Verkehrs ist auch unter dem Aspekt der Luftreinhaltung nicht sehr hilfreich. Die beiden Regierungskommissare, die Rom seit einigen Wochen zwangsverwalten, haben noch viel zu tun. (Dominik Straub, 26.12.2015)

  • Zum Urbi et Orbi hatten sich auf dem Petersplatz rund 50.000 Pilger und Gläubige eingefunden.
    foto: afp/vincenzo pinto

    Zum Urbi et Orbi hatten sich auf dem Petersplatz rund 50.000 Pilger und Gläubige eingefunden.

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