Zweifel an wundersamer Wiedervereinigung in Argentinien

26. Dezember 2015, 10:02
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Laut argentinischer Regierung, ist bei Genanalysen herausgekommen, dass es sich bei der 39-jährigen Frau nicht um die Enkelin von Maria "Chicha" Mariani handeln kann

Buenos Aires – Ihre Geschichte klang wie ein Wunder, doch nun ziehen offizielle DNA-Tests die Wiedervereinigung einer argentinische Großmutter mit ihrer von den Militärs geraubten Enkelin in Zweifel. Wie die argentinische Regierung am Freitag mitteilte, ist bei zwei Genanalysen herausgekommen, dass es sich bei der 39-jährigen Frau nicht um Enkelin der Gründerin der Menschenrechtsgruppe Großmütter der Plaza de Mayo, Maria "Chicha" Mariani, handeln kann.

Die von Mariani ins Leben gerufene Stiftung Anahi hatten die Wiedervereinigung von Großmutter und Enkelin am Heiligen Abend vermeldet. Nach 39-jähriger Suche seien Mariani und ihre Enkelin Clara Anahi endlich wieder vereint, erklärte die Stiftung auf ihrer Facebook-Seite. Sie stützte sich bei den Angaben auf einen DNA-Test eines Privatlabors, der mit einer Wahrscheinlichkeit von 99,9 Prozent eine Verwandtschaft zwischen den beiden Frauen ergeben hatte.

Am Freitag teilte die Behörde für die Suche nach vermissten Kindern jedoch mit, dass zwei offizielle DNA-Tests keine Verwandtschaft zwischen den beiden Frauen ergeben hätten. Es gebe keine Überstimmung zwischen dem genetischen Profil der angeblichen Enkelin und der Familie Mariani oder einer anderen nach einem vermissten Kind suchenden Familie, sagte Behördenchef Pablo Parenti. Der zweite Test wurde demnach von der Nationalen Genetischen Datenbank erstellt, die in Vermisstenfällen offiziell die biologische Abstammung klärt.

Vorsicht geboten

Mariani rief in einer Erklärung zur "Vorsicht" auf. Das Ergebnis des zweiten Tests müsse noch bestätigt werden. Sie kündigte für Samstag eine Pressekonferenz an.

Clara Anahi war am 24. November 1976 als drei Monate altes Baby von einem Polizisten verschleppt worden, nachdem Sicherheitskräfte ihre Mutter bei einer Razzia in deren Haus getötet hatten. Ihr Fall wurde auch international durch eine Reihe offener Briefe bekannt, die ihre inzwischen 92-jährige und fast blinde Großmutter an ihre vermisste Enkelin schrieb. In einem der Briefe schrieb sie: "Sie haben mich immer wieder davon zu überzeugen versucht, dass Du mit Deiner Mutter zusammen getötet wurdest, aber ich wusste, dass Du noch lebst".

In der Zeit der argentinischen Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 raubte die Junta etwa 500 Kinder von Regimekritikern. Viele der Mütter kamen schwanger in die Junta-Gefängnisse und gebaren hinter Gittern. Die Babys wurden regimetreuen Familien zur "Adoption" zugewiesen, die leiblichen Eltern wurden getötet. Unzählige der Kinder wuchsen in dem Glauben auf, sie lebten bei ihren leiblichen Eltern.

Die Großmütter der Plaza de Mayo und die Schwesterorganisation Mütter der Plaza de Mayo konnten bei ihrer landesweiten Suche nach den zwangsadoptierten Kindern bisher 119 Fälle aufklären. Die 39-Jährige, deren Name bisher nicht bekanntgegeben wurde, wurde als das 120. gestohlene Baby präsentiert, dessen wahre Identität nun ausfindig gemacht worden sei. Im August 2014 hatte die langjährige Vorsitzende der Großmütter der Plaza de Mayo, Estela Carlotto, nach 36-jähriger Suche ihren von den Militärs geraubten Enkel wiedergefunden. (APA, 26.12.2015)

  • Eher doch nicht Oma und Enkelin.
    foto: afp/telam/carlos cermele

    Eher doch nicht Oma und Enkelin.

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