Fifa-Funktionär Figueredo gesteht Korruption

26. Dezember 2015, 11:52
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Ehemaliger Vizepräsident: zehn Präsidenten südamerikanischer Fußballverbände kassierten Bestechungsgeld

Zürich/Montevideo – Der von der Schweiz nach Uruguay ausgelieferte frühere Fifa-Vizepräsident Eugenio Figueredo ist nach kurzer Zeit in einem Gefängnis wegen Herzproblemen in ein Krankenhaus verlegt worden. Nach Angaben seiner Anwältin sei sein Gesundheitszustand schon bei der Ankunft in Montevideo am 24. Dezember "ernst" gewesen. Ein Gericht hatte zunächst wegen des Verdachts auf massive Korruption und Geldwäsche Haft angeordnet. Figueredo hat die Existenz eines umfangreichen Korruptionsnetzes in Südamerika eingestanden.

Figueredo habe eingeräumt, dass er "große Summen Geld" bekommen habe, erklärte Gomez. Diese habe er dann woanders investiert. Er soll auch eingeräumt haben, dass zehn Präsidenten nationaler Fußballverbände in Südamerika Bestechungsgeld kassiert haben, zum Beispiel beim Handel mit TV-Rechten. Figueredo war von 1993 bis 2013 Vizepräsident des südamerikanischen Fußballverbandes COMNEBOL, seit 2013 Präsident.

Vorwürfe gegen Gorka Villar

Er belastete das Mitglied im 15-köpfigen Fifa-Reformkomitee, Gorka Villar, schwer. Der Sohn von Fifa-Vizepräsident Angel Maria Villar ist derzeit Generaldirektor des südamerikanischen Fußballverbandes – er soll uruguayische Vereine erpresst haben, sagte ein Anwalt der Fußballvereinigung unter Verweis auf Aussagen Figueredos bei seiner Vernehmung in Montevideo. Dabei soll es um die Rücknahme von Anzeigen der Vereine im Jahr 2013 gegangen sein, die sich durch die Korruption bei TV-Rechten um Einnahmen betrogen fühlten – demnach sei den Clubs der Ausschluss von internationalen Wettbewerben angedroht worden.

Der 83-Jährige war Ende Mai mit sechs weiteren Spitzenfunktionären der Fifa, darunter Vize Jeffrey Webb und Ex-Vize Jack Warner, in der Schweiz festgenommen worden. Er saß bis zu seiner Auslieferung in Zürich in Haft. Im Zusammenhang mit den Korruptionsvorwürfen hatten die USA ebenfalls seine Auslieferung beantragt, wogegen er Beschwerde einreichte. Weil in Uruguay gegen Figueredo wegen mehr Straftaten als in den USA ermittelt wird, entschieden die Schweizer Behörden letztlich, ihn an sein Heimatland zu überstellen. Seine Anwältin Karen Pintos forderte, ihn wegen seines Alters und eines kritischen Gesundheitszustandes unter Hausarrest zu stellen, was die Justizbehörden aber ablehnten. (APA, dpa, 25.12.2015)

  • Eugenio Figueredo bei seiner Ankunft in Montevideo.
    foto: apa/afp/pablo porciuncula

    Eugenio Figueredo bei seiner Ankunft in Montevideo.

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