Israel leitet Ermittlungen zu Video jüdischer Extremisten ein

24. Dezember 2015, 13:41
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Rechtsradikale feierten Tod von palästinensischem Kleinkind

Jerusalem – Israels Behörden haben am Donnerstag Ermittlungen wegen eines Videos eingeleitet, in dem jüdische Extremisten den Tod eines palästinensischen Kleinkinds feiern. In dem Video sind Gäste bei der Hochzeit eines rechtsradikalen Paares zu sehen, die mit Waffen, Messern und einem Molotowcocktail tanzen und auf das Foto des im Juli bei einem Brandanschlag getöteten Buben Ali Saad Dawabsha einstechen.

Das am Mittwochabend im israelischen Fernsehen gezeigte Video verbreitete sich schnell im Internet. Israelischen Medienberichten zufolge wurde der Bräutigam in der Vergangenheit zu Vergehen im Zusammenhang mit "jüdischem Extremismus" befragt. Andere Hochzeitsgäste waren demnach Freunde oder Verwandte von Verdächtigen, die im Zusammenhang mit dem Brandanschlag auf die palästinensische Familie festgenommen wurden.

Scharfe Kritik von Netanyahu

Israelische Politiker verurteilten das Video scharf, darunter auch nationalistische Politiker der Siedlerbewegung. Regierungschef Benjamin Netanyahu nannte den Film "schockierend" und erklärte, dieser zeige "das wahre Gesicht einer Gruppe, die eine Gefahr für die israelische Gesellschaft und die Sicherheit Israels darstellt". "Wir sind nicht bereit, Menschen zu akzeptieren, welche die Rechte des Staates ablehnen und sich nicht daran gebunden fühlen", erklärte Netanyahu.

Maskierte Männer hatten am 31. Juli Molotow-Cocktails in das Haus der Familie Dawabsha geworfen, deren Dorf von mehreren ungenehmigt errichteten Außenposten radikaler jüdischer Siedler umgeben ist. Der anderthalbjährige Ali verbrannte bei lebendigem Leibe. Seine Eltern starben später an den Folgen ihrer schweren Verbrennungen. Alis vierjähriger Bruder ist der einzige Überlebende, er erlitt aber ebenfalls schwere Verbrennungen und wird noch immer in einem Krankenhaus in Israel behandelt.

In den vergangenen Wochen gab es zahlreiche Festnahmen von tatverdächtigen jüdischen Extremisten, eine Anklage erfolgte aber bisher nicht. Viele Palästinenser machen unter anderem den mangelnden Fortschritt in dem Fall für die Gewaltwelle verantwortlich, bei der radikale Palästinenser seit Wochen Israelis attackieren. (APA, 24.12.2015)

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