USA: Tausende Häftlinge dank Softwarefehlers vorzeitig entlassen

24. Dezember 2015, 11:28
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Bis zu 3.200 Personen betroffen – seit 2002 bestehendes Problem verkürzte Gefängnisstrafen um bis zu 600 Tage

Dass Softwarefehler mitunter größere Konsequenzen im realen Leben haben können, ist an und für sich nichts neues. Im US-Bundesstaats Washington sorgt nun aber ein kapitaler Bug für politischen Zündstoff. Seit 2002 sollen zahlreiche Gefängnisinsassen – bis zu 3.200 – wegen eines Rechenproblems zu früh auf freien Fuß gesetzt worden sein.

Fehler 2002 entstanden

Entstanden ist das Problem einst, als das Corrections Department eine Änderung des in den Haftanstalten eingesetzten Programms in Auftrag geben musste. Das oberste Gericht hatte geurteilt, dass Strafminderungen durch gute Führung Gefangenen nach Transfers anzurechnen seien, egal ob sie zuvor in einem Gefängnis unter der Verantwortung des Bundesstaates oder der Regierung waren.

Der Fehler hatte bewirkt, dass rund drei Prozent der Gefangenen in den seither vergangenen 13 Jahren im Schnitt 55 Tage vor dem eigentlichen Ablauf ihrer Strafe wieder auf freien Fuß gelangten. Es gab allerdings auch Fälle mit einer deutlich höheren Verkürzung, einem Häftling wurde die Strafe gar um 600 Tage gestundet, er ist allerdings immer noch inhaftiert.

Seit drei Jahren nicht behoben

Zusätzlichen Ärger verursacht die Tatsache, dass das Problem den Offiziellen 2012 bekannt geworden, aber seitdem noch nicht behoben worden war, berichtet die Seattle Times. Nun verspricht das Department of Corrections Aufarbeitung. Anfang Jänner soll der Softwarefehler behoben werden, die Freilassung potenziell betroffener Häftlinge wird derweil ausgesetzt, bis man das vorgesehen Ende ihrer Gefängnisstrafe manuell überprüft hat. Zwei unabhängige Strafverfolger sollen derweil die Pannenserie untersuchen.

Für den Großteil der bislang vorzeitig Entlassenen dürfte die Affäre keine Konsequenzen haben. Aus gesetzlichen Gründen können sie nicht verpflichtet werden, den Rest ihrer Strafe abzusitzen, zumindest wenn sie seitdem nicht erneut mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. (gpi, 24.12.2015)

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