Wie Mr. Spock den Dollar erobert

25. Dezember 2015, 12:00
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Wunderbare Scheinwelt: Von Banknoten unter Pornografieverdacht, peinlichen Schreibfehlern und teuren Irrtümern

Wien – Viele schöne Scheine erleichtern den Besitzern das Leben. Man hält sie tagtäglich in Händen, selten schaut man sie genauer an. Warum das schade ist, erklärt der Autor Frank Stocker in seinem Buch: "Als Vampire die Mark eroberten". In 80 Geschichten führt er um die Welt. Von München bis Moskau, von Thailand bis Burma und von der Vergangenheit in die Gegenwart führt die lehrreiche, oft amüsante Reise.

Dass peinliche Schreibfehler selbst in Ländern vorkommen, die im Rufe des allumfassenden Perfektionismus stehen, zeigt das Beispiel Singapur.

Auf einer Serie von Sonderbanknoten anlässlich des 50. Jahrestages der Unabhängigkeit im heurigen August wurde der Name des ersten Staatspräsidenten auf der Verpackung falsch geschrieben. Die Notenbank sah sich gezwungen, Aufkleber zu drucken, damit Käufer den Fehler überkleben können.

Richtig teuer wurde ein Fauxpas der indischen Nationalbank. Nach einem Wechsel an deren Spitze vor zwei Jahren sollten die neuen Rupien-Scheine mit der Signatur des neuen Chefs erscheinen. Weil die Druckerei den Auftrag verschlief, mussten 372 Millionen Scheine wieder eingezogen werden. Kostenpunkt: umgerechnet 5,1 Millionen Euro.

Mr. Spock erobert den Dollar

Kanada hat hingegen ganz andere Probleme mit seinen Scheinen. Die "Übeltäter" sind Bürger, die seit dem Tod des Schauspielers Leonard Nimoy – bekannt als Mr. Spock in der Serie Star Trek – die alten kanadischen Fünf-Dollar-Scheine nutzen, um seiner zu gedenken. Mit ein paar Strichen wird das Porträt des kanadischen Expremiers Wilfrid Laurier übermalt. Die Ähnlichkeit mit dem Vulkanier verblüfft. Die Bank of Canada ist nicht amüsiert, was die Fans nicht bremst. Denn echt bleibt der Schein.

Unter Pornografieverdacht gerieten hingegen russische Rubel-Noten. Zumindest für den rechtsextremen Abgeordneten Roman Chudjakow, der besorgt um russische Kinder die Neugestaltung der 100-Rubel-Scheine forderte. Stein des Anstoßes: ein zwei Millimeter großer Penis, den Apollo, der Gott der Künste, nicht verhüllt. Der 100er erhielt mittlerweile ein neues Design, die pornografische Variante blieb aber im Umlauf.

Nicht im Umlauf, aber doch in Gebrauch sind in Großbritannien Scheine mit einem Wert von einer Million Pfund. Private Banken hinterlegen die Riesen, wenn sie Pfund-Noten herausgeben, bei der Bank of England.

2014 wurde ein ausgemusterter, ungültiger "giant" um 16.000 Pfund versteigert. (Regina Bruckner, 24.12.2015)

Frank Stocker: Als Vampire die Mark eroberten: Eine faszinierende Reise durch die rätselhafte Welt der Banknoten in 80 kurzen Geschichten Verlag: Books on Demand, Taschenbuch, 19,90, Frankfurt, 2015.

  • Aus Expolitiker wird Vulkanier.
    foto: ap/tom bagley

    Aus Expolitiker wird Vulkanier.

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