Kindergärten: Kindeswohlgefährdung

Kommentar23. Dezember 2015, 17:31
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Kindergärten gehören in Bundeskompetenz

Schlechter Anlass für eine gute Idee. Aber lieber spät, als zu spät. Und dass etwas getan werden muss, ist augenscheinlich. Die Debatte um islamische Kindergärten mit teilweisen Abschottungs- und Missionierungstendenzen ist nur ein Symptom dafür. Sie zeigt aber einen grundlegenden Konstruktionsfehler in der politischen Verantwortung für die wohl wichtigste Bildungsetappe: Die Kindergärten, die jetzt in vielen Händen in Ländern, Städten und Gemeinden liegen, die höchst unterschiedliche, teils schludrige Qualitätsstandards vorgeben und mangelhaft kontrollieren, gehören in Bundeskompetenz.

Der Kindergarten ist eine Bildungseinrichtung, und Bildungspolitik ist genuine Verantwortung des Staates, der für alle Kinder beste Bedingungen schaffen muss. Es ist an sich schon ein Elendszeugnis, wenn er politisch zwar ein Pflichtkindergartenjahr vorschreibt, aber nicht in der Lage ist, dieses selbst quantitativ und qualitativ zu sichern.

Es darf nicht sein, dass Kinder in irgendwelchen dubiosen Kindergruppen wie auch immer indoktriniert und separiert werden von der Welt "da draußen". Dabei geht es nicht nur um islamische, auch der elitäre Bobos-unter-sich-Kindergarten kann Kindern eine weltfremde Parallelwelt schaffen. Die Welt ist chaotisch und komplex, das müssen Kinder lernen. Wer ihnen das verweigert und ein selbstständiges Leben in aufgeklärter Mündigkeit vorenthält, begeht politisch verschuldete Kindeswohlgefährdung. (Lisa Nimmervoll, 23.12.2015)

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