Türkei: Kurdenchef Demirtaş spielt die russische Karte

23. Dezember 2015, 17:18
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Der HDP-Co-Vorsitzende besuchte Moskau

Istanbul/Moskau – Selahattin Demirtaş, Co-Vorsitzender der Kurdenpartei HDP, hat die türkische Führung mit einem Besuch in Moskau verärgert. Demirtaş traf am Mittwoch den russischen Außenminister Sergej Lawrow und soll dabei den Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Armee im November als Fehler bezeichnet haben.

Russland hatte als Vergeltung für den Abschuss, nach dem ein Pilot von türkisch unterstützten Rebellen in Syrien umgebracht worden war, eine Reihe von Wirtschaftssanktionen gegen die Türkei verhängt. Demirtaş' Besuch nimmt die türkische Regierung als weiteren Hinweis darauf, dass die Kurden in der Türkei wie in Syrien die "russische Karte" nutzen wollen, um ihre Interessen durchzusetzen.

Seit Mitte Dezember läuft in mehreren kurdischen Städten im Südosten der Türkei eine Großoffensive von Armee und Polizei gegen bewaffnete mutmaßliche Mitglieder und Sympathisanten der Untergrundbewegung PKK. Die Armee gab am Mittwoch die Zahl der getöteten PKK-Kämpfer allein in Silopi, Çizre und dem Innenstadtbezirk Sur von Diyarbakir mit 145 an. In Sur gilt schon seit 20 Tagen eine Ausgangssperre für die Bewohner. Viele von ihnen sind geflüchtet.

Bombe am Flughafen

Bei einer Bombenexplosion am frühen Mittwochmorgen am Istanbuler Flughafen Sabiha Gökçen starb eine Angestellte des Reinigungspersonals. Zwei ihrer Kolleginnen wurden verletzt, als der Sprengsatz außerhalb der Abflughalle im Parkbereich der Flugzeuge detonierte. Über die Urheber war zunächst nichts bekannt. Wie andere EU-Staaten warnt auch das österreichische Außenamt bei Reisen in die Türkei. Von Reisen in den Südosten rät es dringend ab; bei Besuchen von Istanbul und anderen Großstädten gilt ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. (mab, 23.12.2015)

  • Handschlag trotz Sanktionen: Demirtas (links) bei Lawrow.
    foto: reuters/maxim shemetov

    Handschlag trotz Sanktionen: Demirtas (links) bei Lawrow.

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