Geldsammeln für Sprachlern-App und mehr

24. Dezember 2015, 10:00
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Beim Call4Europe versuchen Privatleute und Initiativen, Projekte etwa zum Thema Flucht zu realisieren

Wien – Während beim EU-Gipfel in Brüssel vorige Woche in der Flüchtlingsthematik erneut keine Beschlüsse fielen, ging in Österreich fast zeitgleich ein Crowd- funding-Projekt, das Lösungen für anstehende Herausforderungen Europas sucht, in die nächste Phase. Der Call4Europe wird vom Verein Respekt.net organisiert, einer Crowdfunding-Plattform für zivilgesellschaftliche Projekte.

Aus dutzenden Einreichungen wählte eine Jury neun aus, deren online gesammelte Spenden der Verein verdoppelt. Jurymitglied und Ex-EU-Kommissar Franz Fischler erläuterte: "Es ist nicht Sinn der Sache, das Nichthandeln des Staates zu ersetzen." Im Idealfall ergänze sich beides. "Aber das Ideal findet nicht immer statt", sagte Fischler dem STANDARD.

Beim Fernsehen Sprache lernen

Was ausfinanziert ist, wird realisiert. Bei uugot.it, einer Sprachlern-App, ist dies bereits fix. Mithilfe der App können während des Fernsehens Sprachen erlernt und Sprachkenntnisse verbessert werden. TV-Sender werden dabei auf ein Smartphone oder Tablet gestreamt und mit interaktiven Untertiteln versehen. Wer ein Wort nicht versteht, klickt darauf und sieht die Übersetzung.

Andere Projekte haben noch bis 15. Jänner Zeit, Geld zu sammeln. Bei "Home ist where your heart is safe" sollen junge Menschen, die sich in Österreich erst zurechtfinden müssen, durch psychosoziale Unterstützung, Buddies und eine Open School unterstützt werden. Das Projekt sammelt auch Zeitspenden. Das Ludwig-Boltzmann-Institut für Menschenrechte hat ein Konzept für eine Studie zur Erarbeitung von Empfehlungen "für eine menschenrechtlich fundierte EU-Asylpolitik der Zukunft" eingereicht. Bei "Hands on" sollen Mentoren benachteiligten Jugendlichen und Jugendlichen mit Asylstatus bei der Arbeits- und Lehrstellensuche unter die Arme greifen.

Alternativen zur Flucht

Mit dem Thema Flucht beschäftigt sich auch "Patenschaft Mittelmeer" von Radio Afrika, das Menschen in ihrer Heimat neue Chancen eröffnen und Alternativen zur Flucht nach Europa aufzeigen will. Die "Refugee Companion Initiative" will durch die Smartphones von Flüchtlingen ihre Registrierung vereinfachen und verbessern. Auch ein Interessen- und Fähigkeitencheck wäre geplant.

"Es gäbe noch weit mehr Bereitschaft, Dinge zu tun, die unsere Gesellschaft weiterbringen können, aber es sind die Mittel immer knapp", sagte Fischler. "Die Knappheit der Mittel etwas zu reduzieren, war Sinn dieser Sache."

Comics für politisches Interesse

Auch nicht mit dem Thema Flucht befasste Projekte hoffen auf Spenden: etwa eine Befragung von Altenpflegerinnen aus der Slowakei. Ein länderübergreifendes Projekt zur Vernetzung junger Wissenschafter. Oder "Blickwinkel – Mut zur Perspektive", das jungen Leuten mittels Comicgeschichten Lust darauf machen soll, sich über politische und soziale Themen zu informieren.

Apropos politische Themen: In der Jury, die über die Verdoppelungsspenden entschied, saß auch Bundespräsidentschaftskandidatin Irmgard Griss. Zur Frage, ob sie Fischlers Unterstützung hat, wollte sich dieser aber nicht äußern. (Gudrun Springer, 24.12.2015)

  • Projekte, die sich mit Europa herausfordernden Themen beschäftigen, sind beim Call4Europe im Rennen. Zum Beispiel: "Patenschaft Mittelmeer" von Radio Afrika, das Alternativen zur Flucht nach Europa aufzeigen will.
    foto: reuters/yannis behrakis

    Projekte, die sich mit Europa herausfordernden Themen beschäftigen, sind beim Call4Europe im Rennen. Zum Beispiel: "Patenschaft Mittelmeer" von Radio Afrika, das Alternativen zur Flucht nach Europa aufzeigen will.

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