Julya Rabinowich: Weihnachtstricks

Kolumne23. Dezember 2015, 16:28
2 Postings

Weihnachten kann wirklich lustig sein. Ehrlich. Versprochen

Alle Jahre wieder erscheinen Texte, die Weihnachten aufs Korn nehmen wollen. Auch von mir. Weihnachtsbashing für alle über 14! Aber nicht heuer. Jetzt ist alles anders! Weihnachten kann wirklich lustig sein. Ehrlich. Versprochen.

Weihnachten muss dafür nur entschärft werden wie eine geladene und entsicherte Pistole: mit Umsicht und mit Fingerspitzengefühl. Happiness is a warm gun, hat John Lennon mal gesungen. Da wusste er allerdings auch noch nicht, wie sein Leben enden würde. Zur Weihnachtsentschärfung empfiehlt das erprobte Katastrophenteam folgende dringliche Maßnahmen: keine Wunschlisten, keine Kochorgien, kein Tannenbaumgemetzel. Das Leben ist schön. Seit wir auf sämtliche Geschenke verzichten. Wer das dringende Bedürfnis verspürt, jemandem ein Päckchen zukommen zu lassen, tut dies auf ureigenste Gefahr und Verantwortung, ohne den Pflichtanteil einer gesetzlich festgelegten Gegenschenkung in angemessener Betragshöhe zu erwarten.

Seit wir uns nicht schon in der Früh weinend die Kochlöffel um die Rüben schlagen, ist das Weihnachtsessen zwar unauffälliger, aber deutlich ruhiger geworden. Auch hier gilt: Wer will, der kann. Und sonst bitte gar nichts. Das erspart unter anderem todesmutige Tauchgänge in den Supermärkten (aber die Lindt-Kugeln! Denkt denn keiner an die Lindt-Kugeln!) kurz vor der Bescherung, etwas, das nur hartgesottene Sadomasochisten und Adrenalinjunkies in Angriff nehmen würden: Sacher-Masoch und Felix Baumgartner sind ein Dreck dagegen.

Für den Baum meldet sich jenes Familienmitglied freiwillig zum Fronteinsatz, das geradezu manische Freude über dieses Brauchtum zeigt. Ohne Namensnennungen: Bei uns gibt es jemanden, der lässt den Baum bis Februar stehen. Das ist praktisch, weil man dann auch Russischweihnachten, Neujahr und Russischneujahr in einem Aufwasch erledigt hat. Dafür muss der Tannenbaumaddict auch kein Essen zubereiten.

Am Weihnachtstisch muss man dann nur noch konsequent die Themen Sexleben, Familienwunden und Politik beiseitelassen. Et voilà! Auch der Transgender-Onkel freut sich über ein wenig entspannten Smalltalk mit dem Familienpatriarchen, ebenso wie die durchgebrannte und nun schwangere verheiratete Cousine. Man muss es nur wollen.

Share if you care.