Österreich: Ökologe sieht "beunruhigende" Parallelen zu Wüstenbildung

25. Dezember 2015, 09:00
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Hitzebedingte Veränderungen der Mikropilz-Flora erinnern Harald Riedl an Wüstenrandgebiete

Wien – Wie Wüsten entstehen, hat der Ökologe Harald Riedl jahrzehntelang in Asien und Afrika erforscht. Durch die trocken-heißen Sommer wie 2015 seien auch in österreichischen Wäldern "beunruhigende" Veränderungen zu finden, wie sie bei den Anfängen der Wüstenbildung geschehen, sagte der pensionierte ehemalige Leiter der Botanischen Abteilung im Naturhistorischen Museum Wien.

Er inspiziere vor allem im nördlichen Niederösterreich mikroskopische Pilze, die auf Pflanzenresten wachsen und sie abbauen. "Diese wurden mittlerweile so selten, dass der Streu die längste Zeit gar nicht mehr zersetzt wird", erklärte er. Durch die lange sommerliche Trockenheit seien die Veränderungen der Mikropilz-Flora heuer sogar im Ausmaß mit jenen Vorgängen vergleichbar, die er an Wüstenrandgebieten in Pakistan, im Iran und der südlichen Sahara beobachten konnte.

Vielfalt an Mikropilzen verringert

Nicht nur die Menge, sondern auch die Vielfalt der Mikropilze wäre seit zumindest zehn Jahren stark zurückgegangen. Bei den kleinen Zersetzern würden sich Veränderungen schneller auswirken als bei Pflanzen, weshalb auch bei diesen eine starke Dezimierung des Artenreichtums zu befürchten sei. "Etwa in den 1970er und -80er-Jahren waren die Wälder voll von Mikropilzen verschiedenster Gruppen, heute sind manche davon ganz ausgefallen und bei anderen viele Arten verschwunden", so Riedl. Von den übrig gebliebenen seien die meisten dunkel gefärbt, denn der schwarze Farbstoff Melanin und dickere Zellwände böten diesen besseren Schutz vor Trockenheit, Hitze und Strahlung. Die Großpilze – also das, was man als Schwammerln sammelt – seien viel weniger betroffen als ihre mikroskopisch kleinen Verwandten.

Der Experte rät, vor allem bei Schlägerungen sehr vorsichtig zu sein, sonst würde sich der Wald mitunter nicht mehr regenerieren. "Durch das Laubdach kann unterhalb im geschützten Bereich eine Verjüngung passieren, doch wenn es wegfällt, könnte sich nach einer größeren Schlägerung vermutlich kein intaktes Ökosystem mehr aufbauen", meint er. Vor allem in den Grenzgebieten klimatischer Natur sei deshalb große Vorsicht geboten. Außerdem solle man die Vorgänge in einer größeren wissenschaftlichen Studie untersuchen, damit man gegebenenfalls die passenden Maßnahmen finden und ausarbeiten kann. (APA, red, 25. 12. 2015)

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