Sydney – Hobart: Wagnis mit Welle, Wind und Wasser

23. Dezember 2015, 00:55
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Die Regatta gehört zum Spektakulärsten, auch Gefährlichsten, was Hochseesegeln zu bieten hat. Sechs Menschen kamen 1998 zu Tode. Ein Risiko bleibt immer, sagt Andreas Hanakamp

Sydney/Wien – Andreas Hanakamp neigt nicht zur Mythenbildung. "Wasser ist Wasser", sagt der Segler, so trocken, wie man diesen Satz nur aussprechen kann. Versuche, dem Niederösterreicher im Gespräch über die Hochseeregatta Sydney – Hobart Superlative zu entlocken, gestalten sich mühevoll. Aber die Wellen, was ist mit den gefürchteten Wogen vor der Ostküste Australiens? Der 49-Jährige geht in sich, der große Sager rückt näher, da ist er auch schon: "Welle ist Welle."

Bei der 71. Auflage des Segelklassikers gehen am Samstag 109 Boote ins Rennen, um 628 Seemeilen, also 1.163 Kilometer zu bewältigen. Ziel ist die Insel Tasmanien, die Rekordzeit liegt bei einem Tag, 18 Stunden und 23 Minuten. Genug Zeit also, um auf hoher See in Probleme zu geraten. "Auf vielen Booten gibt es Potenzial, dass etwas schiefläuft", sagt Hanakamp. Als Teilnehmer im Jahr 1998 muss er es wissen. Damals kamen sechs Segler zu Tode, ertrunken, verschollen. Hanakamp erinnert sich an "unglaublich viel Wind". Einige Kollegen an Bord seien unter den "beeindruckenden Bedingungen" seekrank geworden. Alles kam anders als geplant: "Ich wollte nur eine lässige Regatta segeln, aber irgendwann war das Boot im Überlebensmodus."

foto: richard bennet
Kein Spaß: die Sydney-Hobart 1998.

Sicherheit wird seither größer geschrieben. Ausrüstung, Ausbildung und Wettervorhersagen haben sich verbessert. "Vorfälle wie damals sollten nicht mehr passieren", sagt Hanakamp, der zweimal an Olympia (1996, 2004) teilnahm und dem Sport, auch als Manager und Organisator, bis heute treu geblieben ist. Die Risiken einer Hochseeregatta seien nicht zu unterschätzen: "Auf See gibt es Gefahren, in denen man umkommen kann. Jeder, der mitmacht, unterschreibt mehrfach, dass er sich dessen bewusst ist." Die Yachten starten am Boxing Day unter unterschiedlichsten Voraussetzungen: "Auf den besten Booten mit dem größten Budget sitzen die besten Segler mit der besten Sicherheitsausbildung." Im Heckwasser der Favoriten zählt vor allem der olympische Gedanke: "Die Amateure suchen die Herausforderung."

Zu den Sieganwärtern zählt auch heuer die Wild Oats XI, achtmal konnte die australische Yacht die Regatta bereits gewinnen. Der Winzer und Multimillionär Robert Oatley stellt als Eigner das nötige Kleingeld zur Verfügung. "Das Material ist ein entscheidender Faktor, und im Segelsport benötigt es mehr als ein Paar Laufschuhe." Ohne erfahrene und dementsprechend teure Crew geht es auch nicht: "Um bei 65 Knoten am Vordeck ein Sturmfock zu bergen, braucht es einsatzbereite Leute mit viel Können." Wie hoch sollte das Budget also sein, um als Erster anzukommen? "Am besten, man hat kein Budget. Am besten, man kann einfach arbeiten."

foto: apa/ap/parks
Dem achten soll der neunte Streich folgen. Die Wild Oats XI.

Eine Spazierfahrt zum neunten Erfolg darf man von der Wild Oats XI nicht erwarten. Einerseits gibt es Konkurrenz wie die US-Yacht Comanche, andererseits zitiert Hanakamp eine alte Seglerweisheit: "To finish first, first you have to finish." Das Erreichen des Ziels hat auch für die Österreicher Christof Petter und Udo Moser an Bord der King's Legend oberste Priorität. Mit den Wetterverhältnissen sollten die beiden problemlos zurechtkommen, auch wenn es "die Tiefdruckgebiete der Reihe nach reinzieht". Die einfache Erklärung: "Wind ist Wind." (Philip Bauer, 23.12.2015)

  • Andreas Hanakamp: "Das Material ist ein entscheidender Faktor, und im Segelsport benötigt es mehr als ein Paar Laufschuhe."
    foto: mark covell/team russia

    Andreas Hanakamp: "Das Material ist ein entscheidender Faktor, und im Segelsport benötigt es mehr als ein Paar Laufschuhe."

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