Streaming: Österreicher surfen bei Netflix nun am langsamsten

24. Dezember 2015, 09:18
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Österreich seit Start vor einem Jahr zurückgefallen – Provider sehen Statistik mit Skepsis

Netflix veröffentlicht monatlich eine Statistik, in der die Datenraten der größten Provider jedes Landes beim Streaming verglichen werden, in denen das Unternehmen tätig ist. Seit November 2012 gibt es diesen Vergleich. Er zeigt, dass die Geschwindigkeit in den meisten Ländern konstant bleibt oder leicht steigt. Eine Ausnahme ist Österreich. Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es den Streaming-Anbieter hierzulande. Die Auswertung zeigt, dass Videos mittlerweile langsamer übertragen werden. Bei Providern ist die Statistik des Unternehmens umstritten.

Von Irland überholt

Im Vergleich zu den anderen europäischen Ländern, in denen das Unternehmen seinen Dienst anbietet, ist Österreich seit November das Schlusslicht. Im September vor einem Jahr lag die durchschnittliche Geschwindigkeit noch bei 3,64 Mb/s. In den Monaten darauf nahm sie ab. Wieder auf Vorjahresniveau war sie zwar September 2015. Im November lag die Rate allerdings nur mehr bei 3,01 Mb/s. Irland, das bislang immer den letzten Platz belegte, überholte Österreich im November. Spitzenreiter ist aktuell Belgien mit 4,12 Mb/s.

foto: netflix
In Belgien wird Netflix durchschnittlich am schnellsten übertragen. Österreich wurde zuletzt von Irland überholt.
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Der Vergleich über mehrere Monate hinweg zeigt, dass die Geschwindigkeit in Österreich zurückgeht.

Nach Providern gereiht werden Filme und Serien von Netflix hierzulande am schnellsten bei Liwest übertragen, gefolgt von Kabelplus, CableLink, UPC und Tele2. A1 ist am weitesten abgeschlagen am letzten Platz. Dabei werden nur Festnetzangebote einbezogen. Das Streaming über Mobilfunk ist nicht inkludiert. Wie Netflix auch selbst betont, sind die Übertragungsraten nicht aussagekräftig dafür, welche Raten Nutzern bei ihren Anbietern grundsätzlich zur Verfügung stehen.

foto: netflix
Das Ranking heimischer Provider im November.

Die Statistik des Unternehmens gilt nur für Streaming. Das Unternehmen erklärt dazu selbst: "Der ISP-Geschwindigkeitsindex von Netflix misst die Leistung einzelner Internetdienstanbieter zu Stoßzeiten für den Netflix-Dienst und ist kein Maß für die Gesamtleistung, die bei anderen Diensten/Daten erzielt werden, die über das Internet-Netzwerk des Anbieters übertragen werden." Und: "Eine schnellere Leistung für den Netflix-Dienst bedeutet im Allgemeinen eine bessere Bildqualität, kürzere Ladezeiten und weniger Wiedergabeunterbrechungen".

Kritik an Statistik

Bei A1 sieht man die Statistik skeptisch. "Der Netflix-Geschwindigkeitsindex ist nicht repräsentativ und gibt nicht einmal die Samplegröße der einzelnen Provider an. Er misst die Daten der Netflix-Nutzer und gibt keine Auskunft über die Netzqualität per se", teilt Sprecherin Livia Dandrea-Böhm auf Anfrage des WebStandards mit. "Die Messergebnisse sind von verschiedenen Faktoren abhängig, insbesondere dem Standort des Endgerätes, dem Endgerät selbst, dem Nutzerverhalten, Tarif des Endnutzers, Netzbelastung, etc. Die Relevanz für den Kunden und die Aussagekraft dieser Messungen ist aufgrund dieser Faktoren in Frage zu stellen", heißt es weiter.

Auch von UPC gibt es Kritik. "Die Aussagekraft des Netflix Index über die Leistungsfähigkeit der Internetleitung vom Provider zum Endkunde (sog. letzte Meile) ist leider sehr begrenzt", heißt es seitens des Unternehmens.

Die Provider sehen nicht ihre Leitungen als Grund für die rückgängige Geschwindigkeit. Wie Netforecast 2014 untersucht hat, spielen bei dem Index mehrere Faktoren eine Rolle: der Umfang der Endgeräte der Nutzer mit den Videodaten, die Wahl der Übertragungsqualität, die Performance der Netflix-Server und zu einem Teil auch die Leistung der Providernetze.

Preiskampf drückt Qualität

Dennoch schlägt die Statistik in die gleiche Kerbe wie andere Untersuchungen. Eine Studie des Netzwerkexperten Akamai zeigte etwa im Mai, dass Österreich bei der Internetgeschwindigkeit im europäischen Vergleich zurückfällt. Anfang Dezember hatte das Beratungsunternehmen ATKearny gewarnt, dass der anhaltende Preiskampf am heimischen Telekommarkt zulasten der Qualität gehe. (Birgit Riegler, 24.12.205)

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