Wie Tätowierer, Krankenschwester & Stylecoach die Feiertage verbringen

24. Dezember 2015, 09:00
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Ein Tattoo als Geschenk oder Patienten zuhören im Spital: Was bedeutet Weihnachten für drei Menschen in unterschiedlichen Berufen

Ein Tattoo als Geschenk oder eine Nacht im Spital: Was bedeutet Weihnachten für eine Krankenpflegerin, wie feiert ein Tätowierer und wie hoch ist der Stresslpegel eines Stylecoaches im Dezember? So unterschiedlich wie ihre Berufe, sind auch die Dinge, die sie an Weihnachten mögen – und die sie in dieser Zeit nachdenklich werden lassen.

Kim – Tätowierer

foto: söadsch efstop

Ich verbringe Weihnachten dieses Jahr im Ausland. Wie die letzten Jahre eigentlich auch. Dieses Mal fliege ich mit meiner Freundin nach Hamburg, darauf freue ich mich – ich habe mich bewusst dafür entschieden, dem ganzen Stress zu entfliehen. Meine kleine Schwester ist nicht ganz glücklich, dass ich zu Weihnachten nicht zuhause bin, aber sie kennen mich und verstehen es.

Die Zeit vergeht so schnell – mir ist eigentlich erst vor ein paar Tagen bewusst geworden, dass bald wieder Weihnachten ist. Auch im Studio merkt man es: viele Kunden fragen nach Gutscheinen und verschenken Tattoos. Es ist eine lukrative Zeit für uns, das muss ich schon sagen. Das ist gut, aber gleichzeitig ist auch das, was ich als negativ an dieser Zeit empfinde: Dass der ursprüngliche Gedanke und das selbstlose Handeln immer mehr dem Konsumdenken weichen. Ich vermisse manchmal die Ruhe und Stille.

Aber vor allem, wenn ich an meine Kindheit denke, habe ich schöne Erinnerungen. Was ich früher schon geliebt habe und immer noch gern tue, ist im Schnee spazieren. Darauf freue ich mich. (Kim ist Tätowierer im Studio "Zur Stecherei" )

foto: privat

Denise Aras – Stylecoach

Ich komme ursprünglich aus Istanbul in der Türkei – da gibt es natürlich keinen Weihnachtsbaum. Die Menschen, die auf der europäischen Seite Istanbuls leben, stellen aber einen Neujahrsbaum auf. Ich mochte diesen Brauch schon immer.

Meine Eltern sind als Gastarbeiter nach Österreich gekommen und haben für uns Kinder damals dann auch einen Christbaum geschmückt. Ich mache das genau so, führe die Tradition für meine Kinder fort. Seit 24 Jahren mache ich das. Ich liebe Weihnachten! Das gute Essen, die Stimmung, die ganze Familie kommt zusammen. Es liegt einfach etwas in der Luft.

Und auch wenn es immer heißt, zu Weihnachten seien alle Leute gestresst – Ich bekomme davon nichts mit, meine Kunden sind gut gelaunt. Und ich lasse mich auch selbst nicht stressen. Die Menschen sind dankbar für eine gute Beratung im Shopping-Wahn.

Meine Familie und ich, wir lieben Nikolo, Krampus, Weihnachten – all die Feste. Wenn Silvester dann vorbei ist, kommt der Alltag eh wieder. Bis dahin genieße ich die Zeit.

Denise Aras ist Stylecoach und stellvertretende Filialleiterin in einem Bekleidungsgeschäft.

foto: privat

Lila Kuleska – Krankenschwester

Ich bin seit über 20 Jahren Krankenschwester, seit fünf Jahren in der Anästhesie und derzeit mache ich noch eine Sonderausbildung. Davor war ich zehn Jahre in der Altenkrankenpflege tätig. In meinem Beruf stehe ich ständig unter Strom – es dürfen keine Fehler passieren, jede Kleinigkeit könnte schlimme Folgen haben. Und trotzdem: Auch wenn es stressig ist, fünf Minuten zum Zuhören kann man sich immer nehmen. Das war und ist mir immer wichtig. Beruflich wie privat. Gerade als ich mit alten Menschen gearbeitet habe, habe ich viele Schicksale gesehen, habe viel mitbekommen.

Die Menschen haben viel erzählt. Das hat mich nachdenklich werden lassen. Die alten Menschen, die ich im Spital betreut habe, hatten oft niemanden mehr, der sie besucht – oder auch niemanden, der sie besuchen kommen wollte. Ich habe mir oft die Zeit genommen, um zu reden und vielleicht auch mal gemeinsam eine Kerze anzuzünden in der Weihnachtszeit. Ich lege keinen Wert auf Geschenke. Wenn, dann schenke ich bewusst etwas, das zur Person passt. Aber Zeit mit meinen Liebsten ist für mich das größte Geschenk – und das fordere ich auch ein.

Es lohnt sich, einfach mal bewusst darüber nachzudenken, was im Leben wirklich wichtig ist – und für mich ist das meine Familie.

Lila Kuleska ist Krankenschwester im Herz-Jesu-Krankenhaus in Wien. (Katharina Triltsch, 24.12.2015)

  • Tätowierer Kim verbringt Weihnachten im Hamburg – Schnee liegt dort zwar derzeit auch keiner, dafür paddeln die Weihnachtsmänner in der Alster.
    foto: apa/epa/daniel übockwoldt

    Tätowierer Kim verbringt Weihnachten im Hamburg – Schnee liegt dort zwar derzeit auch keiner, dafür paddeln die Weihnachtsmänner in der Alster.

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