Echoortung: Wie Fledermäuse mit Umgebungslärm klarkommen

3. Jänner 2016, 17:37
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Die Tiere passen Lautstärke und Dauer der Ortungslaute an den Lärmpegel an. Die genaue Vorgehensweise ist individuell, fanden Forscher heraus

Seewiesen/München – Fledermäuse nutzen zur Orientierung und Aufspürung von Beutetieren bekanntermaßen Echoortung. Dabei senden sie Schallwellen aus und nehmen anschließend das Echo auf, das im Gehirn zu einem Bild der Umgebung inklusiver eigener Positionsbestimmung verarbeitet wird. Doch wie gehen die Tiere mit Lärmbeeinträchtigungen in ihrer Umgebung um? Dieser Frage gingen nun Forscher des Max-Planck-Institut für Ornithologie (MPI) in Seewiesen und der Ludwig-Maximilians-Universität München nach.

Die Forscher analysierten Tausende von Echoortungsrufen unter verschiedenen, natürlichen Lärmbedingungen und zeigten, dass die Fledermäuse sowohl die Lautstärke ihrer Rufe wie auch deren Dauer an den Lärmpegel anpassen. Obwohl jedes Individuum dabei etwas anders reagierte, verbessern alle Mechanismen die Erkennbarkeit des Signals, wie die Studie in "Scientific Reports" zeigt.

Fledermausexperiment

Es liegt auf der Hand, dass stark akustisch orientierte Tiere Mechanismen brauchen, um ihre Vokalisation an Umgebungslärm anzupassen. Eine bereits gut erforschte Form ist der so genannte Lombard-Effekt: Als Antwort auf erhöhten Umgebungslärm wird die Lautstärke des Signals entsprechend angehoben. Dieser Grundeffekt zur Aufrechterhaltung von Kommunikation ist für Vögel und Säugetiere bekannt, einschließlich des Menschen.

Die Forscher um Lutz Wiegrebe von der Uni München haben nun erstmals bei Fledermäusen Signallautstärke, Signaldauer und Signalwiederholung unter verschiedenen, kontrollierten Lärmbedingungen ausgewertet. Dabei spielten sie Exemplaren der Kleinen Lanzennase (Phyllostomus discolor) Umgebungslärm in drei Frequenzbereichen in unterschiedlicher Lautstärke vor und nahmen die Echoortungssignale der Tiere auf.

Die Auswertung zeigte, dass auch bei den Fledermäusen der wichtigste und stärkste Mechanismus zur Kompensation von Lärm die Lautstärke des Signals ist: Alle Tiere riefen lauter bei Lärm, und zwar um bis zu acht Dezibel. Die Dauer der Laute nahm zwischen 13 und 85 Prozent zu, was ebenfalls zu einer besseren Erkennbarkeit des Signals führte.

Individuelle Unterschiede

Ein weiterer Mechanismus der Lärmkompensation, den die Forscher bei bestimmten Lärmbedingungen identifizierten, ist die Bildung von Lautgruppen. Damit könnte die Wahrscheinlichkeit steigen, durch das mehrmals hintereinander zeitnahe Hinhören den Informationsgehalt und damit die Erkennbarkeit des Signals zu verbessern. Berechnungen zufolge könnte dies bis zu vier Dezibel ausmachen.

"Wir fanden bei gleichen Lärmbedingungen Unterschiede in der Signallautstärke zwischen den Individuen von knapp zwei bis acht Dezibel. Ebenso deutlich variierte die Veränderung der Rufdauer," resümierte Holger Goerlitz vom MPI. Allerdings führten die unterschiedlichen Reaktionen der Individuen in Summe zum selben Ergebnis. (red, 3. 2. 2016)

  • Kleine Lanzennase (Phyllostomus discolor) mit Mehlwurm.
    foto: mpi f. ornithologie

    Kleine Lanzennase (Phyllostomus discolor) mit Mehlwurm.

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