Empathie für Fremde lässt sich lernen

22. Dezember 2015, 11:13
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Schweizer Psychologen zeigen anhang von Hirnscans, wie sich positive Erfahrungen auf das Mitgefühl für fremde Gruppen auswirken

Zürich – Er war eines der erfreulichsten Phänomene dieses Jahres: Hunderte Menschen engagierten sich freiwillig, um Flüchtlingen zu helfen. Viele andere begegnen ihnen nach wie vor mit Ressentiments. Lässt sich das ändern? Ja, behaupten Forscher um Grit Hein von der Uni Zürich im Fachblatt "PNAS": Sie haben verschiedene Experimente gemacht, die das Mitgefühl von Probanden mit bekannten und fremden Personen maßen. Bei positiven Erfahrungen mit einzelnen fremden Personen erhöhte sich die Empathie mit Vertretern der Fremdgruppe ganz allgemein

Gemessen wurde das anhand der Hirnaktivierungen von Probanden, die positive Erfahrungen entweder mit einem Mitglied ihrer eigenen Gruppe oder einem Mitglied einer Fremdgruppe machten. Konkret erwarteten die Versuchspersonen bei Tests schmerzhafte Schocks am Handrücken. Sie machten dann aber die Erfahrung, dass ein Mitglied der eigenen oder der fremden Gruppe Geld bezahlte, um so den Schmerz für sie zu verhindern. Vor und nach diesen Erfahrungen wurden die Hirnaktivierungen beim Beobachten des Schmerzes einer Person der Eigen- und Fremdgruppe erfasst.

Erhöhung empathischer Hirnreaktionen

Zu Beginn der Studie löst der Schmerz des Fremden beim Beobachter schwächere Hirnaktivierungen aus, als wenn ein Mitglied der eigenen Gruppe betroffen war. Nur wenige positive Erfahrungen mit einer Person der Fremdgruppe führten zu einer deutlichen Erhöhung der empathischen Hirnreaktionen, wenn einer anderen Person der Fremdgruppe Schmerz zugefügt wurde. Die neuronale Empathie nahm umso mehr zu, je stärker das neuronale Lernsignal war, das durch die positive Erfahrung mit dem Fremden hervorgerufen wurde.

Die erhöhte empathische Hirnreaktion für die Fremdgruppe wird durch ein neuronales Lernsignal getrieben, das durch die überraschend positiven Erfahrungen mit einem Fremden entsteht. Laut Hein würden die Ergebnisse zeigen, "dass positive Erfahrungen mit einem Fremden auf andere Mitglieder dieser Gruppe übertragen werden und die Empathie für diese Gruppe steigern". (tasch, 22.12.2015)

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