Hans Niessl: Der Mann, der doch das Klo gefunden hat

22. Dezember 2015, 05:30
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Burgenlands Landeshauptmann lud zum 15-jährigen Amtsjubiläum. Viele, aber nicht alle gratulierten

Eisenstadt – Im Herbst des Jahres 2000 ist es im Burgenland, wo es im Frühsommer die Landesbank zerrissen hatte, drunter und drüber gegangen: vorgezogene Neuwahlen, der rote Landeshauptmann Karl Stix zog sich, ramponiert, zurück, ein weithin unbekannter Hans Niessl sprang in die Bresche.

Kein Wunder, dass der ÖVP – seit Jahresanfang stellte sie den Kanzler einer schwarz-blauen Bundesregierung – die Bäume in den Himmel zu wachsen schienen. Spitzenkandidat Gerhard Jellasitz meinte in den "Salzburger Nachrichten", Niessl "findet im Landhaus nicht einmal das Klo".

"Konsequent und sachorientiert"

Am Montagvormittag lud dieser von Beginn an so unterschätzte Mann zum 15-jährigen Dienstjubiläum als Landeshauptmann des Burgenlandes und ließ sich Rosen streuen von allen Seiten. Selbst Werner Faymann, der Bundeskanzler und SPÖ-Bundesparteichef, den der Burgenländer so forsch desavouiert hatte durch dessen Zusammengehen mit den Blauen, tat das.

Kaum einen kenne er, so Faymann, "der so konsequent, fachkundig, sachorientiert politische Lösungen sucht und zusammenbringt". Mehr noch: Der Kanzler dankte "auch für eine persönliche Freundschaft", welche auch nicht getrübt werden konnte, "wenn sich in einer Sachdiskussion Unterschiede zeigen". Zeigten sich solche, sei Niessl nie "kleinkariert und herabwürdigend".

Michael Häupl war in Eisenstadt nicht, ihn drängten wichtigere Termine zum Verbleib in Wien. Der Bundespräsident war ebenfalls verhindert, schrieb allerdings einen Brief und ließ auch durch Moderator Alfons Haider ausdrücklich Grüße übermitteln.

Hans im Lob

Erwin Pröll war freilich schon in Eisenstadt. Der Nachbarlandeshauptmann und allfällige ÖVP-Bundespräsidentschaftskandidat lobte im "Hans" auch sich und die parallele Performance, denn die sei "ein Signal für Optimismus und Zukunftsmut". Und dass der Funken zwischen den beiden Landeschefs so zündet seit 15 Jahren, wäre, übers bloße Funktionieren hinaus, "auch ein wichtiges Signal für die politische Hygiene", da es "parteiübergreifend" immer nur um Sachpolitik gegangen wäre, was mit ein Grund gewesen sei, dass es in der Ostregion so bergauf gegangen sei.

Außerdem habe er, Pröll, über seine Frau Wurzeln nach Kleinwarasdorf. Das Burgenland links liegen zu lassen – so wie die Wiener SPÖ rechts – hieße also, "einen Familienzwist zu riskieren".

Von Michael Häupl war dann auch im Zusammenhang mit der hervorragenden Kooperation in der Ostregion nicht die Rede, obwohl er pannonischer Zweitwohnsitzer ist, was die angereiste Nationalratspräsidentin Doris Bures nicht ist, dafür aber einschlägige "Kindheitserinnerungen" hat und am Burgenland insgesamt "die liabn Leut' und das gute Essen" schätze, was Alfons Haider zur Feststellung drängte, dass Letzteres wenig kalorienfreundlich wäre. Und die Parlamentspräsidentin zum Schwur, es "dann im Jänner" eh angehen zu wollen.

Man unterhielt sich also so weit ganz gut im Eisenstädter Kulturzentrum. "Auf die nächsten 15 Jahre" wurde angestoßen. Zum Schluss fragte der Moderator den Kanzler, ob der eher ein burgenländisches oder niederösterreichisches Achterl präferiere. In Faymanns kurzes, der Pointe geschuldetes Zögern hinein bangte oder hoffte der Saal, er würde nun "Grinzinger" sagen. Er sagte aber pflichtschuldigst: "Hauptsach' rot."

Als die Sache vorbei war, schlenderte der Eisenstädter Bürgermeister Thomas Steiner, Burgenlands neuer VP-Chef, am Kulturzentrum vorbei. Und ein roter Bosnigl, der ihn beobachtete, flüsterte: "Der sucht das Klo." (Wolfgang Weisgram, 22.12.2015)

  • Zur Feier des Tages waren die blauen Fisimatenten Schnee von gestern. Kanzler Werner Faymann (links) lobte den burgenländischen Jubilar Hans Niessl sogar über den grünen Klee.
    apa / bka / andy wenzel

    Zur Feier des Tages waren die blauen Fisimatenten Schnee von gestern. Kanzler Werner Faymann (links) lobte den burgenländischen Jubilar Hans Niessl sogar über den grünen Klee.

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