Portugal muss erneut Bank retten

21. Dezember 2015, 13:06
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Die finanziell angeschlagene Banif geht an den spanischen Finanzkonzern Santander. Die EU-Kommission genehmigte die Staatshilfen

Lissabon/Santander – Portugal muss zum zweiten Mal binnen zwei Jahren mit Milliardenlasten für den Steuerzahler eine Bank retten. Das angeschlagene Institut Banif wird auf Staatskosten an den spanischen Finanzkonzern Santander verkauft. Dessen Tochter Totta übernimmt für 150 Millionen Euro das auf der Atlantikinsel Madeira beheimatete Geldhaus.

Zugleich bekommt die vergleichsweise kleine Bank eine staatliche Kapitalspritze von knapp 2,3 Milliarden Euro. Die EU-Kommission genehmigte dies heute, Montag. "Banif hat bereit viele Staatshilfen bekommen und ist aus eigener Kraft nicht existenzfähig", erklärte die zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager.

Ausgelagerte Problemteile

Der neue sozialistische Ministerpräsident Antonio Costa sagte in einer Fernsehansprache, die Kosten für den Steuerzahler seien "sehr hoch". 489 Millionen Euro kämen vom portugiesischen Bankenfonds, 1,77 Milliarden Euro direkt vom Staat. Es sei rechtlich aber die einzige Möglichkeit, Bankkunden zu schützen und die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten.

Bereits 2014 musste der Staat das zweitgrößte heimische Geldhaus Banco Espirito Santo retten – mit insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Sie existiert unter dem neuen Namen Novo Banco weiter. Portugal hatte erst vor einem Jahr den Euro-Rettungsschirm verlassen.

Banif hat einen Marktwert von 91 Millionen Euro. Ende September beliefen sich die Einlagen auf sechs Milliarden Euro. Die Bank war ins Schlingern geraten, nachdem sie mehr als 700 Millionen an Krediten – die der Staat während der Finanzkrise gewährte – nicht zurückzahlen konnte. Dieser übernahm deshalb 60,5 Prozent der Aktien. Santander kauft nur die gesunden Teile von Banif, die problematischen Teile werden ausgelagert. (APA/Reuters, 21.12.2015)

  • Schall und Rauch: Der Staat musste schon vor der nun genehmigten neuerlichen Staatshilfe Milliarden in die wankende Banif pumpen.
    foto: apa/afp/patricia de melo moreira

    Schall und Rauch: Der Staat musste schon vor der nun genehmigten neuerlichen Staatshilfe Milliarden in die wankende Banif pumpen.

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