Schlierenzauer und die fehlende Lust

21. Dezember 2015, 12:13
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Cheftrainer Kuttin dementiert Meldungen, Schlierenzauer sei in "ärztlicher Behandlung" – Vettori: "Skispringen muss man wollen"

Engelberg/Wien – Die Fragezeichen rund um die unmittelbare sportliche Zukunft von Gregor Schlierenzauer sind am Sonntag bei der Generalprobe für die Vierschanzentournee in Engelberg nicht weniger geworden. Der pausierende Weltcup-Rekordsieger versucht derzeit die Freude am Skispringen wiederzufinden. ÖSV-Cheftrainer Heinz Kuttin wird ihm die nötige Zeit dafür geben.

"Ich weiß es nicht, und Gregor weiß es auch noch nicht. Er wird in Ruhe diese Entscheidung für sich treffen", meinte Kuttin auf die Frage, ob Schlierenzauer bei der Tournee am Start sein wird. "Es kursieren Meldungen, dass er in ärztlicher Behandlung ist und alles Mögliche, das stimmt hinten und vorne nicht", sagte Kuttin. "Ich wünsche mir, dass er seine innerliche Ausgeglichenheit kriegt, das er die Freude am Skispringen wiederfindet, und ich bin überzeugt, dass er, wenn er das findet, wieder gut Ski springen wird. Aber es gibt kein Datum, wann Gregor diese Entscheidung treffen wird."

Vettori: "Gregor hat momentan nicht die große Lust"

Schlierenzauer hat sich allerdings körperlich durchchecken lassen, offenbar um abzuklären, ob ein Virus oder Ähnliches vorhanden ist. "Meines Wissens ist nichts gefunden worden", sagte ÖSV-Pressesprecher Florian Kotlaba.

Der Sportliche Leiter der Nordischen, Ernst Vettori, hoffte im ORF-Interview, dass Schlierenzauer wieder die Freude findet. "Es ist beim Skispringen schon ein ganz wichtiger Faktor, dass man es machen will, weil das ist ein gefährlicher Sport, es ist sehr viel Psyche dabei. Gregor hat momentan nicht die große Lust, Ski zu springen", sagte der ehemalige Olympiasieger. "Skispringen einfach so zu machen ist fast unmöglich, sondern man muss sich auf die Bank raussetzen und runterspringen wollen."

Einem Schlierenzauer mache es keine Spaß, einfach mitzuspringen, ohne im Kampf um den Sieg eine Rolle zu spielen. "Gregor Schlierenzauer hat einen Anspruch, dass er unter die drei springen will." Für Vettori hat "Gregor die Tournee ja nicht abgeschrieben". Schlierenzauer habe sehr viel an Training und Aufwand im Sommer investiert, um wieder an seine alten Erfolge anschließen zu können. Vettori glaubt nicht, dass Schlierenzauer die Tournee auslässt. "Das glaube ich nicht. Ich glaube, dass er die Tage gut genützt hat, und bin zuversichtlich, dass er wieder die Lust kriegt und dann für seinen Sport wieder alles gibt."

Morgenstern: "Kann es nachvollziehen"

Sportpensionist Thomas Morgenstern kennt Situationen wie diese aus seiner eigenen aktiven Zeit. "Natürlich kann ich es nachvollziehen. Ich weiß nicht genau, was in ihm vorgeht und warum. Aber er hat sich, glaube ich, ärztlich durchchecken lassen. Ich habe selbst vor zwei Jahren meine Problemchen gehabt, was das angeht, und habe dann zu einem späteren Zeitpunkt eine Pause nehmen müssen, weil ich ausgebrannt war", erinnerte sich Morgenstern. "Wenn der Erfolg einmal da war und dann auf einmal nicht mehr so da ist und man eh kämpft und probiert und noch mehr tut als je zuvor und dann nur noch Watschen von allen Seiten kriegt, dann ist das auf Dauer schwierig."

Der dreifache Olympiasieger hofft, dass Schlierenzauer bald wieder gestärkt zurückkommt. "Dann wird er hoffentlich wieder die Sprünge zeigen können, die wir von ihm gewöhnt sind." (APA, 21.12.2015)

  • Gregor Schlierenzauer im sportlichen Tief.
    foto: apa/neubauer

    Gregor Schlierenzauer im sportlichen Tief.

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