Der Fluch von Fastfood

21. Dezember 2015, 11:26
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Burger sind ähnlich ungesund wie Zigaretten. Forscher der Med-Uni Graz warnen vor Langzeitfolgen von zu viel Zucker

Es ist ein Teufelskreis: Bunt und appetitlich sehen sie aus, die Plakate, die für die großen Fastfoodketten werben. Was soll daran bitte gefährlich sein? Weil Jugendliche noch keine kritischen Konsumenten sind, sind sie also besonders gefährdet, auf die gut gemachten Werbungen reinfallen.

Dabei schmeckt Fastfood aus einem einzigen Grund: Es enthält über die Maßen viel Zucker, eine Eigenschaft, die es mit vielen Fertigprodukten aus dem Supermarkt gemein hat. Ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftern der Universität Graz hat das Ernährungsverhalten von Kindern und Jugendlichen untersucht und folgendes festgestellt:

Vor allem bei Jugendlichen ist der Besuch im Fast Food Restaurant schon längst eine Selbstverständlichkeit. Doch gerade der regelmäßige und häufige Verzehr vom schnellen Snack führt dazu, dass das Sättigungsgefühl verschwindet, und dadurch insgesamt mehr gegessen wird, um den Hunger zu stillen.

Zuckerwasser macht innerlich fett

Zum schnellen Burger gehört der obligatorische Becher gefüllt mit Eis und zuckerhaltiger Limonade. Der Energiegehalt der stark überzuckerten Getränke ist dabei oft extrem hoch. Allein in 100ml Cola sind 10 Stück Würfelzucker und 10mg Koffein enthalten. Auch der Fruchtzuckergehalt der gängigen Limonaden ist erheblich.

"Der regelmäßige Konsum dieser Lebensmittel und Getränke erhöht das Risiko an Fettleibigkeit, Zuckerkrankheit oder einer Fettleber zu erkranken drastisch", so Harald Mangge, Klinisches Institut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik der Med Uni Graz.

Bei Jugendlichen konnte nachgewiesen werden, dass der Fruktose-Konsum durch den Verzehr von Softdrinks mit einer erhöhten viszeralen Fetteinlagerung, also die inneren Organe betreffend, in Verbindung steht.

Ein erhöhtes Maß dieser Fetteinlagerungen wiederum führt zu einem verstärkten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. "Außerdem hat die Aufnahme von Fruchtzucker einen negativen Einfluss auf wichtige Stoffwechselparameter wie den systolischen Blutdruck, den Nüchternblutzucker, das HDL- und LDL- Cholesterin, die Triglyceride und die Harnsäure", zählt Harald Mangge auf. Besonders die Gefahr eine Fettleber zu entwickeln ist durch die Fruktose-Zufuhr deutlich größer, warnt der Experte.

Heißhunger durch Lightprodukte

Während viele Menschen irrtümlicher Weise glauben, dass sie mit sogenannten Light-Produkten bei einer Ernährungsumstellung besonders gut beraten wären, beinhalten gerade diese Lebensmitteln eine Reihe künstlicher Inhaltsstoffe oder Süßungsmittel, um den gleichen Geschmack zu bieten, wie ihre Doppelgänger.

Auch hier ist wiederum besondere Vorsicht geboten und ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe zu werfen, geht der Konsum von Light-Produkten doch häufig mit Heißhungerattacken einher. "Bei vielen sogenannten Light-Produkten ist der Wirkstoffgehalt in Relation zum Energiegehalt niedrig", so Mangge.

Laut einer WHO-HBSC Studie konsumieren 16 Prozent der SchülerInnen in Österreich im Alter von 11 bis 17 Jahren täglich zuckerhaltige Getränke, weniger als die Hälfte täglich Obst und nur ein Drittel der Befragten Gemüse.

Tipps von Experten

An Einrichtungen für Kinder- und Jugendliche, vor allem Kindergärten und Schulen, richtet das Team von WissenschafterInnen konkrete Handlungsanleitungen. So muss Wasser als Getränk deutlich aufgewertet und gezielt gefördert werden, beispielsweise durch erlaubtes Trinken von Wasser während dem Unterricht.

Parallel dazu muss natürlich auch das Wissen zum Thema gesunde Ernährung auf spielerische Weise vermittelt werden, beispielsweise auch in Form von Gesundheitsprojekten oder –tagen.

Beim Schulbuffet gilt es, ein größeres Angebot an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten zu schaffen und dieses auch "attraktiv" und ansprechend aufzubereiten. Im Gegenzug dazu sollen ungesunde Snacks, Süßigkeiten und salzige Knabbereien reduziert oder gar nicht angeboten werden. (red, 21.12.2015)

  • Artikelbild
    foto: dpa/gero breloer
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