Die Verteidigung des Schöpfers

20. Dezember 2015, 09:00
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Trotz rechtlicher Verbote lassen sich Kreationisten in den USA nicht davon abhalten, gegen das Lehren der Evolutionstheorie zu lobbyieren. Eine neue Studie zeigt, wie sie dabei vorgehen

Canberra/Wien – Mit kaum etwas anderem kann man die Gegner der Evolutionstheorie mehr ärgern als mit der Analyse ihres Verhaltens mit Mitteln der Evolutionstheorie. Genau solch eine Analyse legt der Biologe Nicholas Matzke von der Austrialian National University Canberra in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "Science" vor. Er unterzieht dabei die Taktiken, mit denen Kreationisten gegen ihren Erzfeind, die Evolutionstheorie, vorgehen, einer Art stammesgeschichtlichen Untersuchung.

Im Detail ging es in Matzkes Studie mit dem angriffigen Titel "The evolution of antievolution policies" um Gesetzestexte aus den USA aus den letzten zehn Jahren, mit denen versucht wird, die Evolutionstheorie zurückzudrängen. Unter Zuhilfenahme statistischer Tools der Evolutionsbiologie analysierte Matzke die Entstehung von Gesetzen, die vorgeschlagen oder beschlossen wurden, um evolutionstheoretische Thesen an öffentlichen Schulen abzuwehren und den Kreationismus zu fördern.

Intelligenter Urheber

Am 20. Dezember jährt sich zum zehnten Mal die Kitzmiller-vs.-Dover-Entscheidung, durch die es rechtlich untersagt wurde, "Intelligent Design" an öffentlichen Schulen in den USA zu unterrichten. Diese kreationistische Theorie geht davon aus, dass sich bestimmte Eigenschaften des Lebens am besten durch einen intelligenten Urheber, religiös gesprochen: einen Schöpfer, erklären lassen. Obwohl US-Gerichte klargestellt haben, dass das Lehren religiöser Alternativen zur Evolution wie Kreationismus oder Intelligent Design im Widerspruch zur US-Verfassung steht, lassen sich Kreationisten nicht davon abhalten, gerichtlich und politisch, das Lehren der Evolutionstheorie zu untergraben.

Matzke vertritt die These, dass die Anhänger des Kreationismus nach der Kitzmiller-vs.-Dover-Entscheidung eine neue Taktik eingeschlagen haben, ihre Thesen in den Biologieunterricht trotz Verbots einzuschmuggeln: Sie versuchen auf die Gesetzgebung und Schulrichtlinien einzuwirken, den Kreationismus zwar nicht mehr explizit zu nennen, sondern indem sie auf "kritische Analysen" der Evolution und anderer Themen drängen.

Dabei spricht Matzke von einer "dritten Welle" der politischen Versuche, die Evolutionstheorie in den Klassenzimmern in den USA zurückzudrängen: In den 1920er-Jahren wurden Verbote des Lehrens der Evolution erlassen.

Als diese aufgehoben wurden, forderten Kreationisten in der zweiten Welle eine "ausgewogene Behandlung" des Kreationismus, wann immer Evolution unterricht wurde.

Copy-and-paste-Gesetze

"Die Strategie, zu 'kritischen Analysen' nicht nur über die Evolution und Theorien zum Ursprung des Lebens zu ermutigen, sondern auch über das Klonen von Menschen und die globale Erwärmung, wurde maßgeblich durch eine Schulrichtlinie begründet, die 2006 in Oachita Parish, Louisiana, verabschiedet worden ist", sagt Matzke. "Diese Kombination hat sich als sehr erfolgreich herausgestellt, und Gesetzestexte, die eine derartige Taktik verfolgen, wurden seither in vielen Bundesstaaten verabschiedet, etwa in Louisiana und Tennessee."

Weiters wird in der Studie behauptet, dass sich bei Gesetzen, die den Kreationismus fördern sollen, eine "Abstammung mit Modifikation" zeigt, die man ohne Bezugnahme auf das Vokabular der Evolutionstheorie wohl auch als Copy-and-paste-Methode bezeichnen könnte: Die Gesetzgebung tendiere dazu, bereits verabschiedete Gesetze zu kopieren, anstatt Texte von Grund auf neu zu formulieren.

Obwohl derartige Gesetzestexte kreativistische Thesen meist vermeiden, ließen sich oft dennoch direkte Verbindungen zum Kreationismus herstellen – entweder durch Statements in den Gesetzestexten oder ihre Förderer, behauptet Matzke.

Seine Conclusio: "Der Kreationismus wird zunehmend verstohlener im Angesicht rechtlicher Niederlagen, aber die Techniken der Evolutionstheorie enthüllen, wie sich die kreationistische Gesetzgebung entwickelt." (Tanja Traxler, 20.12.2015)

  • Das Fresko Michelangelos "Die Erschaffung Adams" steht gemeinhin als Sinnbild für die göttliche Schöpfung. Das Bild zeigt links Adam, wie er seinen Zeigefinger ausstreckt, um Gott zu erreichen.
    foto: picturedesk.com /ullstein / archiv gerstenberg

    Das Fresko Michelangelos "Die Erschaffung Adams" steht gemeinhin als Sinnbild für die göttliche Schöpfung. Das Bild zeigt links Adam, wie er seinen Zeigefinger ausstreckt, um Gott zu erreichen.

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