Weihnachtszeit im Fernsehn: Zuhören für den Frieden

18. Dezember 2015, 17:17
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Dabei sind die Feiertage mehr Anlass denn Bedingung für den (familiären) Unfrieden

Wo Menschen zusammenkommen, da gibt’s auch Zank, Streit, zuweilen gar Gewalt. Denn nicht nur, aber auch dazu braucht ein Mensch den anderen. Wen wundert’s also, dass die Chance, zu leiblichem wie auch seelischem Schaden zu kommen, zur Weihnachtszeit, da sich ein Übermaß von seinesgleichen um einen sammelt, so hoch ist wie selten sonst.

Dabei sind die Feiertage mehr Anlass denn Bedingung für den (familiären) Unfrieden. Dass einem die Nächsten auch unterm Jahr recht fern sein können, zeigte am Donnerstagabend Am Schauplatz Gericht. Wohltuend, ja selig dagegen die familiären Keppeleien im saisonalen Evergreen O Palmenbaum im Anschluss auf ORF 1. Eines kündigte sich hier schon an: Trotz Ärgernis gibt’s Hoffnung.

Von einem dienstbaren und dabei einfachen "Wundermittel" gegen Zoff und Zwist nämlich erfuhr man schließlich bei Barbara Stöckl. Zu Gast war Tessa Tegetthoff, Tochter des Schriftstellers und Dichters Folke, die uns die Künste des Erzählens und Zuhörens schmackhaft wie Kekserl machen wollte – und dabei auf lauter scheinbar ohnehin bereits Bekehrte (Margit Fischer, Thomas Morgenstern und Ernst Grissemann) stieß. Neben Fantasie und verbesserten Schulleistungen wurde von ihr dazu auch der familiäre Benefit ins Feld geführt: Zeit, Aufmerksamkeit, Vorbeugung gegen Sprachlosigkeit.

Die Leute seien egoistischer geworden und hörten lieber sich selbst reden als einander, konstatierte sie wider das "sprechende Wort". Das Oxymoron vom 'zuhörenden Wort' sollte man sich also nicht nur an diesen angeblich stillsten Tagen im Jahr zu Herzen nehmen. Viel hätten sich ihre Vorgänger an diesem TV-Abend dann wohl erspart. (Michael Wurmitzer, 18.12.2015)

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