Vorwürfe gegen Wikipedia: Spendenkampagne trotz voller Kassen?

18. Dezember 2015, 11:35
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Vergangenes Jahr reichten die Spenden eines einzigen Tages, um Website am Laufen zu halten

Wohl jeder, der im Netz unterwegs ist, ist schon einmal auf der freien Online-Enzyklopädie Wikipedia gelandet. Dann ist die Wahrscheinlichkeit auch hoch, dass ihm oder ihr ein Banner angezeigt wurde, das um eine kleine Spende für die Initiative bittet. Täglich wird der Aufruf bei Millionen Lesern eingeblendet. Wer öfter auf Wikipedia ist, macht sich wohl schon Sorgen um den finanziellen Zustand der Seite.

Prall gefüllte Vorratskammer

Doch Recherchen von Golem zeigen, dass die Kassen der Wikimedia Stiftung, die hinter der Enzyklopädie steht, prall gefüllt sind: Mehr als 77 Millionen Dollar besitzt die Organisation. An einem einzigen Tag, dem 3.12.2014, sollen genug Gelder gesammelt worden sein, um den Betrieb für weitere fünfzehn Monate zu garantieren. Wegen der Diskrepanz zwischen Spendenaufrufen und tatsächlichen Reserven gibt es nun heftige Kritik an der Wikimedia Stiftung, die mittlerweile 240 Angestellte beschäftigt – vor neun Jahren waren es noch drei Beschäftigte.

Freiwillige Helfer

Brisant sind die Daten vor allem, weil Wikipedia von ehrenamtlichen Helfern gestaltet wird. Sie erstellen Beiträge, kontrollieren Änderungen und treffen Entscheidungen über neue Artikel. Dem stehen Angestellte gegenüber, die etwa eigene Fitnessstudios und Kochkurse finanziert bekommen. Laut Golem soll die Wikimedia Stiftung sogar mehr als fünf Millionen Dollar dafür ausgegeben haben, die Effektivität der Spendenkampagne zu optimieren.

Netzneutralität

In die Kritik geriet die Wikimedia Stiftung auch aufgrund anderer netzpolitischer Aktionen. So bietet die Initiative in Südamerika und Asien "Wikipedia Zero" an: Nutzer können auf Wikipedia surfen, ohne das Datenvolumen bei ihrem mobilen Tarif zu belasten. Ein eindeutiger Verstoß gegen die Netzneutralität. (red, 18.12.2015)

  • Wikipedia steht in der Kritik
    foto: epa/deck

    Wikipedia steht in der Kritik

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