Keimbefall in Linzer Klinik: Überträgerbaby gestorben

18. Dezember 2015, 11:10
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Säugling erlag in der Nacht seiner Herzerkrankung – Zustand dreier Kinder mit multiresistentem Keim unverändert

Linz/Sarajevo – Jenes Baby, das den hochresistenten Acinetobacter-Keim in die Linzer Landesfrauen- und Kinderklinik (LFKK) eingeschleppt haben dürfte, ist in der Nacht auf Freitag gestorben. Es erlag seiner schweren Herzerkrankung, wegen der es von Sarajevo nach Linz verlegt worden war, teilte der Spitalsbetreiber Gespag mit.

Das Mädchen aus Bosnien war am 19. November im Zuge eines Hilfsprojekts nach Linz verlegt und am Herzen operiert worden. Bereits damals hatte sich das Kind in einem lebensbedrohlichen Zustand befunden. Bei einem Routinetest wurde der multiresistente Keim nachgewiesen. Der Zustand der anderen drei in Quarantäne befindlichen Kinder ist unverändert.

"Herz war vermehrt fehlbelastet"

Idealerweise sollten Kinder mit einem Herzfehler, wie er bei dem Baby vorlag, in der ersten Lebenswoche operiert werden, sagte Gespag-Sprecherin Jutta Oberweger. "Die kleine Patientin kam allerdings erst in der zweiten Lebenswoche zu uns. Das Herz war dadurch vermehrt fehlbelastet. Trotz der unmittelbar erfolgten Operation hat sich das Herz des Säuglings nicht mehr erholt." Das Kind starb an Herzversagen.

Am 10. Dezember war bereits ein frisch operiertes Neugeborenes vermutlich infolge einer Acinetobacter-Infektion gestorben. Nach wie vor befinden sich drei Kinder in Quarantäne, nur eines ist auch ernsthaft infolge einer Infektion erkrankt. Die Lungenentzündung wird laut Gespag mit einem Antibiotikum behandelt, der Gesundheitszustand habe sich schon leicht verbessert.

OP-Betrieb soll wieder beginnen

Im Spital läuft ein Screening aller Mitarbeiter, die mit dem Keim in Berührung gekommen sein könnten. Bis Donnerstag stand bei 90 Prozent der 120 Getesteten fest, dass sie den Erreger nicht in sich tragen. Die chemische Reinigung der chirurgischen Intensivstation wird noch diese Woche abgeschlossen, voraussichtlich Anfang kommender Woche soll der Operationsbetrieb wiederaufgenommen werden. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen eingeleitet, ob eine Verbreitung im Linzer Spital hätte vermieden werden können. (APA, 18.12.2015)

  • Idealerweise sollten Kinder mit einem Herzfehler, wie er bei dem Baby vorlag, in der ersten Lebenswoche operiert werden.
    foto: apa/dpa/arne dedert

    Idealerweise sollten Kinder mit einem Herzfehler, wie er bei dem Baby vorlag, in der ersten Lebenswoche operiert werden.

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