Wie ein US-Präsident Trump das Internet "abschalten" könnte

18. Dezember 2015, 08:32
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Der Präsidentschaftsaspirant wiederholte Forderungen nach einem Internet-Blackout

Das Internet – also jener Ort, den Donald Trump vor einigen Wochen mit einem Anruf bei Bill Gates "abschalten" hatte wollen – amüsierte sich prächtig über diese Forderungen des Spitzenreiters bei den republikanischen Vorwahlen zur US-Präsidentschaftskandidatur. Doch Trump bleibt dabei: Auch bei der TV-Debatte vergangenen Dienstag nannte der Milliardär den Internet-Blackout als bevorzugte Strategie im Kampf gegen den Terror. "Ich bin dafür offen, das Internet dort abzuschalten, wo wir uns im Krieg befinden", sagte Trump. Und weiter: "Ich möchte verdammt noch mal nicht, dass Leute, die uns und unsere Nation töten wollen, unser Internet benutzen."

Militärschlag gegen Infrastruktur

Nimmt man diese Statements auseinander, erscheinen Trumps Ideen gar nicht so unrealistisch. Würde er 2016 tatsächlich zum Präsidenten gewählt werden, könnte er das US-Militär durchaus mit diesem Ziel beauftragen. Spezialeinheiten könnten Unterseekabel nach Syrien durchtrennen, Bomber wichtige Kommunikationsinfrastruktur ins Visier nehmen. Ein Blackout – oder zumindest eine sehr starke Beeinträchtigung des Services – in Syrien wäre möglich. So soll die NSA nach dem Sony-Hack vergangenes Jahr auch Hauptverdächtigen Nordkorea vom Internet abgetrennt haben, das allerdings über eine weltweit singuläre Infrastruktur verfügt, was Verbindungsstellen nach außen betrifft.

Widerstand unmöglich

Es wäre allerdings eine miserable Idee, einen Blackout zu provozieren, analysiert der "New Yorker": Denn Widerstandsgruppen wie "Raqqa is being slaughtered silently" setzen auf moderne Technologien, um Nachrichten nach außen zu schmuggeln. Außerdem sind Maßnahmen gegen Kommunikationsziele nie treffsicher. Es könnte immer sein, dass verbündete Kräfte getroffen werden. Schließlich wäre auch die moralische Ebene zu beachten: Die USA reihten sich damit in eine Liste an Unrechtsregimen ein, die den Zugang zum Internet erschweren.

Gegenpropaganda

Viel sinnvoller als ein Blackout wäre es, im Netz für Gegenpropaganda zu sorgen. Den Rekrutierungsversuchen der Terrormiliz IS müssten ansprechende Inhalte entgegengehalten werden, so der New Yorker weiter. Wer das glaubwürdig machen könnte? Vielleicht syrische Flüchtlinge, so das Magazin weiter – also genau jene Menschen, die Trump aus den USA aussperren will. (red, 17.12.2015)

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    foto: apa/afp/beck

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