Korallen-Nemesis: Die Invasion der gefräßigen Dornenkronen

20. Dezember 2015, 08:00
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Giftige Seesterne setzen dem Great Barrier Reef – Ursache ihrer explosiven Vermehrung sind Düngemittelrückstände im Meer

Canberra/Wien – Für einen Seestern ist er eine martialische Erscheinung: Der massiv wirkende Dornenkronenseestern (Acanthaster planci) ist über und über mit Stacheln besetzt, die ein starke Schmerzen auslösendes Gift enthalten. Die Tiere sind meist graubraun, können aber auch leuchtendes Rot als Warnfarbe tragen. Kennzeichnend für sie sind auch die stark unterschiedliche Zahl von Armen – statt nur fünf können es sechs bis über 20 sein – sowie ein großer Magen, den der Seestern über seine Beute stülpt.

In diesem Magen landen ausschließlich Steinkorallen – und das macht den Dornenkronenseestern in ohnehin schon geschwächten Riffen zum Problem. So sieht sich das weltberühmte australische Great Barrier Reef einer Invasion von vier bis zwölf Millionen der gefräßigen Seesterne gegenüber, berichtet der WWF. Laut der Naturschutzorganisation könnte die Zahl innerhalb der nächsten fünf Jahre sogar auf 60 Millionen ansteigen.

Erschreckende Zahlen

Der Grund dafür sei laut den Angaben die Verbreitung von Düngemittelrückständen im Meer rund um das australische Weltnaturerbe. "Um den natürlichen Rhythmus der Seesternverbreitung wiederherzustellen, müssen wir verhindern, dass massenhaft Düngemittel ins Meer gespült werden", sagte Philipp Kanstinger, Meeresschutzexperte vom WWF. Damit dies Wirkung zeige, müsse der Düngemitteleintrag in einigen Gebieten um 80 Prozent reduziert werden.

60.000 Hektar lebendiger Korallen wurden in den vergangenen 30 Jahren von den Dornenkronenseesternen gefressen, so der WWF. Das entspricht einer Fläche von rund 84.000 Fußballfeldern. Neben der Seesternplage wird das Great Barrier Reef ohnehin schon durch Korallenbleichen, Ozeanversauerung und Zyklone stark bedroht, erläuterte Kanstinger.

"Der Korallenverlust ist alarmierend. Durch die immer häufiger vorkommenden Ausbrüche könnte das Riff gebietsweise bis zu 90 Prozent seines Korallenbewuchses verlieren", berichtete der Meeresschutzexperte. Während Experten davon ausgehen, dass die Seesternplage früher auf natürliche Weise einmal im Jahrhundert auftrat, haben sich heute die Abstände der Ausbrüche auf 15 bis 17 Jahre verkürzt. (APA, red, 20. 12. 2015)

  • Hübsch ist er nicht – aber äußerst lebenstüchtig: Ein Dornenkronenseestern hat sich zum Fressen auf einen Korallenstock gewälzt.
    foto: apa/epa/james cook university

    Hübsch ist er nicht – aber äußerst lebenstüchtig: Ein Dornenkronenseestern hat sich zum Fressen auf einen Korallenstock gewälzt.

  • Kein Ort für Barfüßigkeit: Auf dem Meeresboden wimmelt es nur so vor den Giftstachelträgern.
    foto: apa/epa/aims/katharina fabricius

    Kein Ort für Barfüßigkeit: Auf dem Meeresboden wimmelt es nur so vor den Giftstachelträgern.

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