Nationalsozialismus: Zukunftsfonds geht Geld aus

17. Dezember 2015, 14:47
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Der Fonds für die Förderung wissenschaftlicher Arbeiten zum nationalsozialistischen Regime wird in drei Jahren seine Arbeit einstellen müssen, wenn kein frisches Geld kommt

Wien – Wenn der Zukunftsfonds kein frisches Geld bekommt, wird er voraussichtlich in rund drei Jahren seine Tätigkeit einstellen müssen. Das geht aus dem Jahresbericht 2014 des Fonds hervor, der am Donnerstag im Hauptausschuss des Nationalrats zur Diskussion stand. Demnach belief sich der Vermögensstand des Fonds Ende 2014 auf 8,2 Millionen Euro, pro Jahr können Förderungen von bis zu 2 Millionen gewährt werden

2012 hatte laut Parlamentskorrespondenz das Vermögen noch 12,21 Millionen Euro betragen, 2013 waren es 10,11 Millionen Euro gewesen. Der Zukunftsfonds der Republik Österreich fördert insbesondere wissenschaftliche Arbeiten, die den Interessen und dem Gedenken der Opfer des nationalsozialistischen Regimes, der Erinnerung an die Bedrohung durch totalitäre Systeme und Gewaltherrschaft sowie der internationalen Zusammenarbeit dienen und zu einer Förderung der Achtung der Menschenrechte und der gegenseitigen Toleranz auf dies Gebieten beitragen.

Restmittel aus Versöhnungsfonds

Der Fonds wurde aus den verbleibenden Restmitteln des Österreichischen Versöhnungsfonds als verzehrender Fonds mit 20 Millionen Euro dotiert und hat am 1. Jänner 2006 seine Arbeit aufgenommen wurden. Von den seit 2006 eingereichten 1.938 Projekten wurden bisher 1.207 genehmigt, das sind ca. 62 Prozent. Davon konnten 897 Projekte bereits abgeschlossen werden, sie wurden mit rund 13,6 Millionen Euro gefördert. 310 laufende Projekte werden mit einer Fördersumme von rund 4,46 Millionen Euro vom Fonds betreut, womit sich die gesamte Summe an zugesagten Geldern auf rund 18 Millionen Euro beläuft.

Der Fonds ist mit einer jährlich steigenden Anzahl von Anträgen konfrontiert. So hat sich laut Bericht die Antragszahl gegenüber 2006 um 150 Prozent gesteigert und gegenüber 2008 fast verdoppelt. Der Jahresbericht wurde von den Mitgliedern des Hauptausschusses einstimmig zur Kenntnis genommen.

Stipendien für Nachfahren

Ebenso einstimmig nahm der Hauptausschuss den Rechenschaftsbericht 2014 der gleichfalls 2006 eingerichteten Stipendienstiftung zur Kenntnis. Aufgabe der Stiftung ist es, aus den ihr vom Versöhnungsfonds übertragenen Mitteln Stipendien an Staatsbürger jener Länder zu vergeben, die in besonderer Weise unter dem nationalsozialistischen Regime, insbesondere auch durch die Rekrutierung von Zwangsarbeitern, gelitten haben. Stipendien sollen aber auch jenen Personen zur Verfügung gestellt werden, die sich als Nachfahren direkt Betroffener um ein solches bewerben.

Anders als der Zukunftsfonds ist die Stipendienstiftung als "nichtverzehrende Stiftung" konzipiert, zur Ausschüttung gelangen daher nur Erträge des Stiftungskapitals von ursprünglich rund 25,83 Millionen Euro. Für den Zeitraum 1. Jänner 2006 bis 31. Dezember 2014 hat die Veranlagung einen Gesamtbetrag von rund fünf Millionen Euro erbracht. Aus diesen Zinserträgen wurden insgesamt rund 1,6 Millionen Euro an Stipendien im tertiären Bildungsbereich ausbezahlt. Für Schulstipendien lag der Betrag von 2009 bis 2014 bei rund 198.000 Euro. (APA, 17.12.2015)

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