Heftige Krawalle wegen Asylzentrums in den Niederlanden

17. Dezember 2015, 14:45
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Der Polizeichef der Region spricht von einem geplanten Angriff durch 80 gewalttätige Randalierer

Geldermalsen / Den Haag – Proteste gegen ein geplantes Asylwerberzentrum im niederländischen Geldermalsen sind in heftigen Krawallen ausgeartet. Rund 80 gewalttätige Randalierer hätten das Rathaus gezielt mit Steinen, Feuerwerkskörpern und Flaschen angegriffen, sagte der Polizeichef der Region, Lute Nieuwerth, auf einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Eine Anhörung zu dem Asylzentrum am Mittwochabend war wegen der Ausschreitungen abgebrochen und das Rathaus evakuiert worden. Zwei Beamte und einige Demonstranten wurden laut Polizeiangaben leicht verletzt, 14 Personen wurden festgenommen.

"Es war ein geplanter Angriff", sagte Nieuwerth. Beamte waren nach Angaben des Polizeichefs so bedrängt worden, dass sie Warnschüsse in die Luft abgaben. Die mobilen Einsatzkräfte der Polizei schritten ein.

Ausschreitungen durch 80 Randalierer

Zunächst hatten am Mittwochabend mehrere hundert Menschen vor dem Rathaus friedlich protestiert. Dann sei "völlig überraschend" eine Gruppe von rund 80 Personen zum Angriff übergegangen, sagte der Polizeichef. "Darauf waren wir nicht vorbereitet." Bürgermeisterin Miranda de Vries verurteilte die Gewalt. "In unserer Demokratie führen wir die Debatte mit Worten", sagte sie. Die Kleinstadt will im Jänner über das Asylzentrum entscheiden.

Die niederländische Regierung reagierte entsetzt. Sitzungen der Gemeindeverwaltung müssten in einem demokratischen Rechtsstaat stattfinden können, sagte Innenminister Ronald Plasterk. "Das ist eine abscheuliche Situation", sagte er im Radio.

Unterkunft für 1.500 Flüchtlinge geplant

Auf einem Industriegelände der 11.000 Einwohner zählenden Stadt – die Großgemeinde selbst zählt 27.000 Einwohner – südlich von Utrecht soll eine Unterkunft für rund 1.500 Flüchtlinge entstehen. Dagegen haben zahlreiche Bürger Einwände geäußert. Sie wenden sich vor allem gegen die große Zahl von Flüchtlingen.

Die Flüchtlingsaufnahme ist in den Niederlanden wie in anderen EU-Staaten umstritten. Debatten auf örtlicher und nationaler Ebene gehen mitunter mit gegenseitigen Beleidigungen von Befürworten und Gegnern einher, auch Drohbriefe tauchten bereits auf.

In den Niederlanden haben sich in diesem Jahr bisher 54.000 Asylsuchende gemeldet, die meisten von ihnen Syrer. Die Regierung hatte gemeinsam mit den Gemeinden vereinbart, zusätzlich zu bestehenden Heimen Unterkünfte für rund 25.000 Personen bereitzustellen. (APA, 17.12.2015)

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