Putin über Blatter: "Das ist jemand für den Friedensnobelpreis"

17. Dezember 2015, 13:35
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Die letzten Fürsprecher des Fifa-Bosses: Russlands Präsident und die Schweizer "Weltwoche"

Zürich – Und jetzt zum Fußball. Zürich. Joseph S. Blatter ziert unter dem Titel "Schweizer des Jahres" das Cover der Weltwoche. Der Untertitel: "Sepp Blatters dornenvoller Kampf für eine bessere Welt." Keine Satire.

Moskau. Wladimir Putin hob am Donnerstag bei seiner großen Jahrespressekonferenz die Lebensleistung Joseph S. Blatters hervor. "Das ist jemand, dem man den Friedensnobelpreis geben sollte", sagte der russische Präsident. "Blatter hat viel für die Entwicklung des Fußballs getan." Keine Satire.

Zurück nach Zürich. Joseph S. Blatter, derzeit für 90 Tage von seinem Fifa-Präsidentenamt suspendiert, sagte am Donnerstag vor der Fifa-Ethikkommission aus. Und er, dem eine lange Sperre droht, wandte sich brieflich an die 209 Fifa-Mitgliedsverbände. "Die Art und Weise, wie die Untersuchungskammer der Ethikkommission über das laufende Verfahren kommuniziert, die Höchststrafe gefordert und öffentliche Vorverurteilung verstärkt hat, weisen eine tendenziöse und gefährliche Dimension auf." Keine Satire.

Wir bleiben in Zürich. Das Schweizer Bundesamt für Justiz (BJ) hat im Zuge des Fifa-Korruptionsskandals fünfzig Schweizer Konten bei verschiedenen Banken blockieren lassen. Die blockierte Gesamtsumme soll 50 bis 100 Millionen Franken betragen. Ein Fifa-Sprecher bestätigte am Donnerstag eine entsprechende Meldung im Tages-Anzeiger. Demnach haben – Surprise, Surprise! – mehrere Funktionäre des internationalen Fußballs Konten in der Schweiz. Als prominenteste Namen nennt die Zeitung Ricardo Teixeira, den Ex-Präsidenten des brasilianischen Verbandes, und Nicolas Leoz, den langjährigen Chef des südamerikanischen Kontinentalverbands (Conmebol). Leoz soll zwölf Bankverbindungen in die Schweiz vorzuweisen haben. Keine Satire.

San Salvador. Wegen Korruptionsverdachts hat die Polizei den früheren Vorsitzenden des salvadorianischen Fußballverbandes festgenommen. Reynaldo Vasquez sei im Department La Paz gefasst worden, teilte der stellvertretende Polizeichef Howard Cotto mit. Die US-Justiz wirft dem Fußballfunktionär eine Reihe von Straftaten im Zusammenhang mit der Vermarktung internationaler Turniere vor. Unter anderem geht es um Geldwäsche in Höhe von 450.000 US-Dollar. Gegen Vasquez wurde im Fifa-Korruptionsskandal ermittelt und Anklage erhoben. Die USA haben die Auslieferung von Vasquez beantragt. Allerdings könnte ihm auch wegen Betrugs in seinem Heimatland El Salvador der Prozess gemacht werden. Keine Satire.

New York. Der frühere Fifa-Vize Juan Angel Napout aus Paraguay und Honduras’ früherer Staatschef Rafael Leonardo Callejas plädierten vor einem Gericht auf nicht schuldig. 14 weitere Fußballfunktionäre sind oder werden vom US-Justizministerium angeklagt. Keine Satire.

Wien. Tausende demonstrierten am Donnerstag in der Innenstadt gegen das Weltwoche-Cover. "Der Schweizer des Jahres", sagte einer der empörten Demonstrationsteilnehmer dem STANDARD, "der Schweizer des Jahres kann doch, bitte, nur Marcel Koller heißen." Satire. (fri, APA, 17.12.2015)

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weltwoche.ch

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