Kulturschaffende kritisieren "diskriminierende Visa-Praxis"

17. Dezember 2015, 12:50
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Ein offener Brief an Ostermayer, Mikl-Leitner und Kurz enthält die Forderung nach Einhaltung des UNESCO-Übereinkommens über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen

Wien – In einem offenen Brief (17. Dezember) an Kulturminister Josef Ostermayer (SPÖ), Innenministerin Johanna Mikl-Leitner und Außenminister Sebastian Kurz (beide ÖVP) fordern Vertretungen heimischer Kultur- und Bildungseinrichtungen die Einhaltung des UNESCO-Übereinkommens über den Schutz und die Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen. Anlass ist ein Einreiseverbot für den ägyptischen Autor Omar Hazek (DER STANDARD berichtete).

Die Unterzeichner – darunter die IG Autorinnen Autoren, der Österreichische PEN Club, die IG Bildende Kunst und der Österreichischer Musikrat – weisen in ihrem Schreiben auf "die rigide, diskriminierende österreichische Visa-Praxis" hin und fordern die verantwortlichen Stellen dazu auf, ihren mit Beitritt zur UNESCO-Konvention eingegangenen Verpflichtungen nachzukommen und "die bestehenden strukturellen Visa-Barrieren für den internationalen Kulturaustausch rasch und zielführend zu beseitigen".

"Kulturaustausch als bürokratischer Hindernislauf"

Derzeit herrsche eine "Praxis, durch die der grenzüberschreitende Kunst- und Kulturaustausch zu einem bürokratischen Hindernislauf wird, dessen Ausgang ungewiss und dessen Planung unmöglich ist". Im Fall von Omar Hazek, der sein im österreichischen Löcker Verlag erschienenes Buch im November in Wien, Graz und Fresach hätte vorstellen sollen, sei das Visum verweigert und die geplante Lesereise daraufhin wieder abgesagt worden.

Das Buch "In der Liebe des Lebens – Kassiber aus der Haft" hat der Autor während seiner zweijährigen Haft – aufgrund der Teilnahme an einer Solidaritätsveranstaltung für den in Polizeigewahrsam zu Tode geprügelten Blogger Khalid Said in Alexandria – geschrieben. "Während also einerseits der Löcker-Verlag, der das Buch verlegt hat, für seine qualitativ hochwertige Verlagstätigkeit öffentliche Fördermittel durch das BKA erhält und also das Kulturressort die Tätigkeit des Löcker-Verlags unterstützt, hindern die für Visa-Fragen zuständigen Ressorts BMEIA und BMI den Verlag sowie den österreichischen PEN-Club daran, den von ihnen herausgegebenen Autor zu präsentieren", heißt es in dem Brief.

Österreich habe sich völkerrechtlich dazu verpflichtet, Maßnahmen zur Erleichterung der grenzüberschreitenden Mobilität von Künstlern und Kulturschaffenden zu ergreifen. Dies finde derzeit nicht statt. (APA, 17.12.2015)

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