Lawinenabgang mit zwei Toten: Bergführer in Tirol angeklagt

17. Dezember 2015, 11:58
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Deutsche Touristen waren im Jänner in St. Anton am Arlberg ums Leben gekommen, Prozess wegen fahrlässiger Tötung beginnt am 19. Februar

Innsbruck – Nach einem Lawinenabgang mit zwei Toten, einem Schwer- sowie einem Leichtverletzten im Jänner 2015 in St. Anton am Arlberg hat die Staatsanwaltschaft Innsbruck Anklage gegen einen 33-jährigen Bergführer unter anderem wegen fahrlässiger Tötung erhoben. Der Prozess ist für den 19. Februar angesetzt, sagte ein Sprecher der Behörde der APA am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht des ORF Tirol.

Bei dem Lawinenunglück am 19. Jänner waren zwei Mitglieder einer siebenköpfigen Gruppe aus Deutschland ums Leben gekommen. Die Gruppe wurde von dem staatlich geprüften Berg- und Skiführer geleitet und fuhr laut Polizei eine Variante nördlich der Valluga (2.809 Meter, Anm.) in Richtung Zürs. Als einer der Skifahrer in den Hang einfuhr, löste sich plötzlich die Lawine und riss vier Gruppenmitglieder in die Tiefe. Drei von ihnen wurden von den Schneemassen rund 800 Meter mitgerissen.

Staatsanwaltschaft: Sorgfalt außer Acht gelassen

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 33-jährigen Bergführer in der Anklage vor, dass er die gebotene Sorgfalt und Aufmerksamkeit außer Acht gelassen habe. Es hätten am Unglückstag besonders gefährliche Verhältnisse wie eine instabile Altschneedecke, gefährliche Übergänge von schneereichen zu schneearmen Bereichen oder eingewehte Triebschneepakete geherrscht, hieß es in dem Bericht.

Mit der bloßen Anordnung von Respektabständen und unter Verzicht auf die Anordnung von gebotenen Einzelfahrten habe der Bergführer die Gruppe über den Westsattel in die dort unverspurte und rund 40 Grad geneigte, exponierte Nordvariante der Valluga-Abfahrt einfahren lassen. Dabei wurde die Schneebrettlawine ausgelöst. Nach Ansicht der Anklagebehörde wäre die Westvariante weniger risikoträchtig gewesen.

Der Bergführer ist nicht nur wegen fahrlässiger Tötung, sondern auch wegen fahrlässiger, zum Teil schwerer Körperverletzung unter besonders gefährlichen Verhältnissen angeklagt. Im Falle eines Schuldspruchs drohen ihm bis zu drei Jahre Haft. (APA, 17.12.2015)

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