Hacker bastelt selbstfahrendes Auto in seiner Garage

17. Dezember 2015, 09:18
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Eigene Software auf Linux-Basis – George Hotz war schon mit 17 durch iPhone-Hack aufgefallen

Ob Google, Apple oder auch die traditionelle Autoindustrie – alle scheinen derzeit davon überzeugt zu sein, dass selbstfahrende Fahrzeuge die Zukunft der Mobilität darstellen. Doch während die Konzerne Milliarden in ihre Forschung stecken, zeigt ein einzelner Hacker, dass man auch mit deutlich weniger Ressourcen zum Ziel kommen kann.

Autopilot

Der 26-jährige George Hotz hat im Alleingang ein selbstfahrendes Auto entwickelt, das er nun erstmals der Öffentlichkeit präsentierte. In seiner Garage hat der Hacker einen gewöhnlichen Acura ILX aufgerüstet und mit einer selbstentwickelten Autopilot-Software ausgestattet, wie er gegenüber "Bloomberg Businessweek" demonstriert.

Umbaumaßnahmen

Zur Orientierung setzt das Fahrzeug ähnlich wie Googles Autos einen sogenannten LIDAR ein. Dieser erfasst per Licht und Radar die Umgebung und kann so einen Überblick über das Straßengeschehen gewinnen. Das Handschuhfach des Gefährts hat Hotz mit einem Mini-PC, GPS-Sensoren und einem Netzwerk-Switch ausgestattet. Links daneben prangt ein 21,5 Zoll großer Bildschirm, mit dessen Hilfe Hotz den Überblick über die aktuellen Aktivitäten des Systems behalten kann. Mit einem zusätzlich angebrachten Joystick kann das selbstfahrende System aktiviert werden.

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Software

Die Software hat Hotz auf Basis von Ubuntu Linux in Eigenregie entwickelt. Der Hacker betont dabei, dass sich diese von den Systemen anderer Hersteller in einem entscheidenden Punkt unterscheidet: Sie basiert vollständig auf künstlicher Intelligenz, die laufend von selbst dazulernt. Um sie zu trainieren, musste Hotz also selbst zunächst einmal zahllose Runden mit dem Auto drehen.

Ziele

Der Hacker betont, dass die Software derzeit noch in einer Frühphase ist, immerhin habe er mit der Entwicklung erst im Oktober begonnen. Trotzdem hofft er, schon in einigen Monaten die Funktionalität des selbstfahrenden Systems von Teslas Model S übertrumpfen zu können. Eine Probefahrt scheint der Reporter von "Businessweek" jedenfalls unverletzt überstanden zu haben.

Angebot

Apropos Tesla: Dessen Chef Elon Musk soll bereits Wind von Hotz' Aktivitäten bekommen und dem Hacker ein Jobangebot gemacht haben. Dieser habe aber dankend abgelehnt und dabei auch auf einen "Multimillionen-Dollar-Bonus" verzichte, wie er betont. Stattdessen will er das Projekt im Rahmen seines eigenen Start-ups comma.ai weiterführen. Sein Ziel sei, dass ein Selbstfahr-Upgrade für ein bestehendes Auto künftig um gerade einmal 1.000 US-Dollar zu haben sein wird, so Hotz. Statt eines LIDARs sollen dann sechs Kameras in Smartphone-Qualität ausreichen, um die nötigen Umgebungsinformationen zu sammeln.

Vorgeschichte

Es ist nicht das erste Mal, dass George Hotz für Schlagzeilen sorgt. So war der damals 17-jährige im August 2007 der Erste, dem es gelang, ein iPhone von seiner fixen Anbindung an einen Netzbetreiber zu befreien. Anfang 2010 gelang es dem Hacker dann, die Sicherheitssperren der Playstation 3 zu knacken, was ihm in weiterer Folge eine Klage durch Sony einbrachte. Zwischenzeitlich war er unter anderem bei Facebook und Google beschäftigt, wo er aber jeweils nur wenige Monate blieb. (apo, 17.12.2015)

  • Look Ma, no hands!
    foto: bloomberg businessweek

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