Gewinner und Verlierer der US-Zinswende

17. Dezember 2015, 08:39
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Die geldpolitischen Zügel wurden nur sanft angezogen – an den internationalen Finanzmärkten hat das dennoch Effekte

Die US-Notenbank Fed hat die Zinswende gewagt: Mit der ersten Anhebung seit fast zehn Jahren läutet sie das Ende der Ära des ultra-billigen Geldes ein. Auch wenn die Währungshüter die geldpolitischen Zügel nur sanft angezogen haben, hat das an den internationalen Finanzmärkten große Effekte. Hier ein Überblick über die Gewinner und Verlierer des Manövers:

Euro unter Druck

Anders als in den USA ist in der Euro-Zone der Nullzins längerfristig zementiert. Daher dürfte die Gemeinschaftswährung wohl tendenziell weiter abwerten. Hiervon profitieren die Exporteure aus der Euro-Zone, da ihre Produkte im Dollar-Raum günstiger werden. BayernLB-Chefvolkswirt Jürgen Michels erwartet, dass der Euro unter die im März ereichten Jahrestiefstände von rund 1,05 Dollar rutschen wird. Andere Börsianer sehen den Euro sogar erstmals seit 2002 wieder unter der Marke von einem Dollar, der sogenannten Parität. Aktuell kostet die Gemeinschaftswährung rund 1,09 Dollar.

Verschuldung in Dollar

"Höhere US-Zinsen bedeuten höhere Finanzierungskosten für Firmen, die sich in Dollar verschuldet haben", betont Thomas Gerhardt vom Vermögensverwalter Edmond de Rothschild. Eine zusätzliche Belastung sei es für jene Unternehmen, die keine oder nur geringe Dollar-Einnahmen hätten. Firmen in China halten Schätzungen zufolge ein Viertel ihrer Unternehmenskredite in Dollar, machen ihre Gewinne aber in Yuan.

Schwellenländer unter Druck

Deren Regierungen müssen sich darauf einstellen, dass verstärkt Geld aus ihren Ländern abfließt. Sie gehörten zu den Profiteuren der bisherigen Fed-Politik, da sie lange ausländische Anleger mit hohen Zinsen und starkem Wirtschaftswachstum anlockten. Nun ziehen Investoren ihr Geld wieder ab und stecken es in US-Papiere, weil diese jetzt weiter steigende Renditen versprechen und als weniger riskant gelten.

Kaum noch Impulse für Wall Street

Nach Einschätzung von Stefan Kreuzkamp, dem Chef-Anlagestrategen des Vermögensverwalters der Deutschen Bank, hat die Wall Street kaum noch Luft nach oben. Dazu seien die dortigen Aktien bereits zu teuer.

Keine Änderung für heimische Sparer

Für heimische Sparer bleibt alles beim alten. Das Niedrigzinsumfeld in Europa hängt an der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Sie hat noch keine Änderung ihrer Politik signalisiert. (Reuters/red, 17.12.2015)

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