Brenda, "Magnum" und der Schnee: Lasst uns über Weihnachten in Serien reden

Blog23. Dezember 2015, 18:00
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Weihnachten in Serien ist picksüß, voller Schnee oder ein einziges Desaster – und manchmal auch alles zusammen

Vanillekipferln, Christbaumkugeln, Liebe und Frieden. Oder Familienzoff, schiache Geschenke und widerliches Essen. Das alles und noch viel mehr kann Weihnachten sein. Das alles und noch viel mehr wird uns auch in Serien gezeigt. Die Neigungsgruppe von "Serienreif" hat sich dieses Mal mit dem Thema beschäftigt – und zwar aus vier sehr unterschiedlichen Perspektiven. Aber lesen Sie selbst.

PS: Unser Weihnachtsgeschenk an Sie – keine Spoiler.

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Daniela Rom ließ sich zu einem Weihnachtsrant hinreißen

Klar. Nicht einmal im Serienwunderland kommt man um die Weihnachtskiste herum. Kein Ort, keine Straße, keine Sekunde zwischen Anfang Oktober und 25. Dezember, wo Christkind und Weihnachtmann einem nicht nachstellen. Und im Serienhimmel ist es auch nicht besser. Es gibt kaum eine TV-Serie, die sich dem Feiertagstrubel entzieht und auf die eine oder andere Weihnachtsfolge verzichtet. Es existiert übrigens eine Liste aller Weihnachts-themed Folgen von Serien auf Wikipedia. Komisch eigentlich, dass es keine Weihnachtsfolge von "Game of Thrones" gibt.

Die Einzigen, die vielleicht ein bisschen ein Recht darauf haben, sich serientechnisch auf Weihnachten zu freuen, sind die Briten. Weil die haben BBC. Ja, genau, den Sender, den die Inselbewohner mit Gebühren bezahlen. Und der schaut auf seine Zuseher, nicht nur zu Weihnachten. Aber da halt ganz besonders.

Seit ungefähr hundert Jahren, jedenfalls aber, seitdem es "Dr. Who" gibt, gibt es natürlich auch eine Weihnachtsfolge. Die ist jetzt nicht immer ursuper, aber ein paar evil Schneemänner, Weeping Angels und Daleks haben noch jeden faden Christtag zum Scheinen gebracht. Apropos: Liebes Christkind, kann bitte David Tennant wieder den Doktor spielen? Danke, ganz lieb!

fathom events
River Song kommt diese Weihnachten zurück zu Dr. Who, und zwar mit ihren Ehemännern. Das könnte spannend werden.

Ach ja, wenn sich Steven Moffat wieder einmal von seinem Thron als bester Serienmacher aller Zeiten herunterwagt und mit Mark Gatiss gerade nicht "Dr. Who", sondern eine neue Staffel oder Folge oder einen Kurzfilm oder einen Trailer oder ein Foto oder einen Tweet zu "Sherlock" erfindet, dann vergehen rund um den Erdball die Fans vor Sehnsucht. Kommt ja nur alle Jubeljahre einmal vor. Heuer zum Beispiel gibt's ein Special, das – klar doch – rund um Weihnachten beziehungsweise in diesem Fall am 1. Jänner ins britische Fernsehen kommt. Und sogar ins Kino. Ja, ja, ich hör' euch schon sagen: Abzocke! Mir wär's egal, ich würde zahlen für Benedict Cumberbatch und Martin Freeman im Kino. Geht aber eh nicht, weil Senderechte im deutschsprachigen Raum. Brite müsste man sein.

bbc
Nur! Eine! Folge! "Sherlock"! So für zwischendrin – auf eine ganze neue Staffel warten wir ja schon seit 2014.

Nachdem uns diese Suderei jetzt auch nicht wirklich weiterbringt, mein Weihnachtstipp: Sehen Sie sich einfach die acht Staffeln "Magnum" an. Wer's von Folge eins bis 162 schafft, braucht dafür – ohne Pause – viereinhalb Tage. Wenn Sie am 23. Dezember anfangen, können Sie heuer ganz entspannt am Montag, dem 28. wieder arbeiten gehen und dann noch weiter von Hawaii, roten Autos und Schnauzbärten träumen.

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Michaela Kampl liebt Schnee

Ich finde ja, jede "Game of Thrones"-Folge ist eine Weihnachtsfolge. Vermutlich liegt es am Schnee. Jedes Mal, wenn Jon Snow ängstlich aus seinem schwarzen Fellmantel in die verschneite Landschaft hinter oder vor der großen Mauer schaut, ist das irgendwie weihnachtlich. Er hat dann so rote Bäckchen, und im Hintergrund knistert ein Kaminfeuer, vor dem Herren und Damen in Pelzen Pläne schmieden, wie sie an die Macht kommen. Oder wie sie überleben oder andere wichtige Dinge. Was ich aber seltsam finde, ist, dass in dem Kälteloch namens "The North" noch niemand auf die Idee gekommen ist, eine Haube aufzusetzen. Die frieren immer so schön, während sich die Schneeflocken im Haar verfangen und kaum schmelzen.

foto: helen sloan/hbo via ap
Jon Snow schaut in die verschneite Landschaft. Hauben mag er nicht so.

Schmelzen, und zwar emotional und mit Schnee, geht aber bei den Weihnachtsfolgen von "Downton Abbey". Besonders schön anzusehen war, als Lady Marys Herz sich für den zuerst verschmähten, aber dann doch superen Matthew erwärmte. Ein Heiratsantrag im Schnee vor dem Schloss – und geschmust wird dann auch, schwebende Schneeflocken inklusive. So viel Kitsch geht nur zu Weihnachten. Wer den vermeiden will, kann aber auch "Akte X" schauen, und zwar die sechste Folge der sechsten Staffel. Da geht's um Geister, Mulder und Scully, und es gibt Blut und zum Schluss Geschenke. Und ein bisschen Schnee gibt's auch. Sonst wär's ja nicht Weihnachten. Zumindest nicht für mich.

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Doris Priesching erkennt den wahren Geist von Weihnachten

Im Rahmen der genialen Serie "Malcolm in the Middle" kam es in der siebenten Folge der dritten Staffel zu einem Highlight im Leben dieser ewiggültigen Innenschau einer dysfunktionalen Familie.

Eigentlich ist zuerst alles wie immer. Die Weihnachtsvorbereitungen von Reese, Malcolm und Dewey enden in einer wilden Christbaumkugelschlacht, Mutter Lois zuckt aus und greift zu einer drastischen Maßnahme: Das Weihnachtsfest ist in diesem Jahr gestrichen! Davor hatte sie schon ihrem ältesten Sohn Francis verboten, nach Hause zu kommen. Großmutter Ida – dieses selten pestige Exemplar einer Oma – dürfe an Heiligabend nicht alleine gelassen werden.

foto: reuters/deborah feingold/fox/handout
Lois, die beste Serien-Mom, seit es Serien gibt.

Drei Brüder und – besonders! – ein Vater sind bitter enttäuscht über das gecancelte Weihnachtsfest, irgendwann erscheint das auch Lois zu hart, und sie setzt eine Frist: Zwölf Stunden müssen sich die Brüder benehmen, dann wäre das Weihnachtsfest doch noch gerettet. Unterdessen läuft bei Francis und Ida einiges aus dem Ruder: Sie, Weihnachtshasserin, und er, Omahasserin, giften einander an, sie schmeißt mit steinhartem Weihnachtsgebäck nach Choräle singenden Kindern, wuchtet eine Stricknadel in den Oberschenkel des Enkelsohns, weil der die elektronische Weihnachtskarte geöffnet hat, aus der "Jingle Bells" erschallt, worauf er sie anbrüllt "Kannst du der ganzen Familie einen Gefallen tun und einfach sterben?" und sie ihm den Daumen in die Wunde bohrt: "Es tut mir so leid!" Richtig heikel wird die Angelegenheit, als die Großmutter im Vollrausch ihre Zigarette im Nachthemd versenkt und Francis auf der Suche nach dem brennenden Tschickstummel in großmütterliche Intimbereiche vordringen muss. Und genau hier tritt die Wende ein, wenn schon nicht zum Guten, so doch zum guten Willen.

Das ist der wahre Geist der Weihnacht: Schluss mit Lametta, Familienglück und falscher Harmonie. Hier wird Weihnachten in seine Einzelteile zerlegt, bis nichts mehr davon übrigbleibt. Wenn wir dürften, wie wir wollten, es sähe vielleicht bei vielen nicht anders aus. Oder, wie der Filmemacher Peter Tscherkassky – ganz großer Malcolm-Fan – es einmal formulierte: "Malcolm sind wir." Alle Träume, die mit Weihnachten verbunden sind, werden zerstört: Ruhe (die Schlacht mit den Weihnachtskugeln), Glaube (Deweys Kopf steckt im Strumpf, nebenbei erfährt er, dass es den Weihnachtsmann gar nicht gibt), Andacht (die Mutter zerfleischt sich in Selbstvorwürfen: "Ich bin ein Monster!") – alles Illusion!

Der Schluss ist ein Nachweis, dass Wahrheit nur eine Frage der richtigen Perspektive ist. Und dass auch Weihnachten schön sein kann, wenn man es sich nur glaubhaft einredet. Yes – no – maybe – can you repeat the question …

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Julia Meyer schätzt Brenda, aber Weihnachtsspecials nicht so sehr

Davor hatte Cindy Walsh sich gefürchtet: sommerliche Temperaturen und ein toter Baum. Keine Weihnachtsstimmung. Nichts war wie daheim in Minnesota. Aber auch in Beverly Hills ist der Weihnachtstag am Ende ein guter. Freilich, manches läuft anders als geplant. Steves Mutter tot, Dylans Vater im Gefängnis. Doch Dylan hat die Walshs, hat Brenda. Und Steve mag eh niemand.

foto: fox
Geschwisterliebe.

Weihnachtsspecials stehen unter Druck. Sie stehen unter dem Druck, no na, speziell zu sein. Und meiner (Seh-)Erfahrung nach sind solche Voraussetzungen für ein gelungenes Ergebnis ganz schlecht. Eine augenscheinliche Parallele übrigens zum echten Weihnachtsfest, aber diese feingeistige Bemerkung nur am Rande.

Jene Formate, die per se auf Krawall aus sind, betrachte ich da mit größerer Milde. Dass bei "Eine schrecklich nette Familie" das Weihnachtsthema rotzig abgehandelt wird, macht es leichter zu ertragen. Dass in der "Himmlischen Familie" alles heilig ist, macht so eine Folge zur exquisiten Qual. Weihnachtsspecials sind tricky, da hat sich seit den 90ern wenig geändert. Aber gute Serien bleiben vermutlich auch in dieser Disziplin gut. Schlechte Serien schlecht. Und "Beverly Hills, 90210" ist immer "Beverly Hills, 90210" geblieben. Zumindest bis Brenda ging. (Michaela Kampl, Julia Meyer, Doris Priesching, Daniela Rom, 25.12.2015)

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