Yline-Prozess biegt nach 14 Jahren in die Zielgerade

16. Dezember 2015, 16:12
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Gerichtssachverständiger hatte zuletzt schwere Vorwürfe gegen Böhm und die Mitangeklagten erhoben

Seit 14 Jahren sind mögliche Ungereimtheiten beim einstigen Internetstar Yline justizanhängig, nun geht es ins Finale. Beobachter erwarten am morgigen Prozesstag im Wiener Straflandesgericht ein Urteil. Bekannt geworden ist Yline durch die Erstellung der umstrittenen "New Economy"-Homepage des damaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser (FPÖ/ÖVP), bezahlt von der Industriellenvereinigung.

Vorwurf auf Untreue, Insiderhandel und Bilanzfälschung

Hauptangeklagter ist Yline-Gründer Werner Böhm, der damals dem Umfeld der FPÖ zugerechnet wurde. Der Vorwurf lautet auf Untreue, Insiderhandel und Bilanzfälschung. Laut Anklagebehörde soll die Zahlungsunfähigkeit schon Monate vor der Insolvenz gegeben gewesen sein. Sämtliche Beschuldigte bestreiten die Vorwürfe. Geführt wird das Verfahren von Richterin Marion Hohenecker, das Strafmaß liegt bei bis zu zehn Jahren.

Angeklagt ist unter anderem ein Deal mit dem Computergiganten IBM zur Lieferung von PCs bei Abschluss eines Internetanschlusses sowie eine Online-Peepshow, deren Firmenwert weit überzogen bewertet worden sein soll. Die strippenden Damen sollen übrigens kein Geld gesehen haben.

"Opfer von IBM"

Böhm selbst sieht sich als Opfer von IBM, bei anderen angeklagten Fällen sei einfach nicht das Geschäftsmodell aufgegangen. Yline selbst schlitterte 2001 in die Insolvenz.

Am bisher letzten Verhandlungstag Mitte September war der Gerichtssachverständige am Zug. Seine Vorwürfe waren vielfältig: Umsatzerlöse seien teilweise falsch verbucht worden, Bewertungen seien überhöht gewesen, das Nichterreichen der Planziele habe sich frühzeitig abgezeichnet, sei aber nur mangelhaft berücksichtigt werden, Bewertungen von Unternehmensanteilen seien streckenweise überhöht gewesen. (APA, 16.12.2015)

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