IT-Chaos: PVA-Betriebsrat protestiert wegen Vorwürfen gegen Ältere

16. Dezember 2015, 15:55
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Belegschaft wehrt sich gegen "Schuldzuweisungen" der Pensionsversicherung-Führung rund um Umstellungsprobleme

Wien – In der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) ging es am Mittwoch rund. Ein STANDARD-Bericht über schwere IT-Pannen nach der Umstellung der Verwaltung auf den Elektronischen Akt ließ die Wogen hochgehen, in einer Krisensitzung wurde angeblich über ein Notfallprogramm beraten. PVA-Chef Winfried Pinggera goss zusätzlich Öl ins Feuer, indem er die Schwierigkeiten teilweise auf ältere Mitarbeiter zurückführte, die sich nicht ausreichend anpassen würden.

Für den Betriebsrat ist das scharfer Tobak. Er wandte sich am Mittwoch per E-Mail an die Belegschaft und protestierte gegen die Vorgangsweise der Chefetage. Vor allem der Vorwurf, dass "ältere Mitarbeiter nicht mehr den Anforderungen entsprechen und das Projekt behindern bzw. schlechtreden", findet Zentralbetriebsratschef Wolfgang Prebio "inakzeptabel". Er verwehrt sich dagegen, dass "Schuldzuweisungen, welche die eklatanten Umsetzungsprobleme betreffen, auf die Mitarbeiter abgewälzt werden". Weiters heißt es: "In dieser Situation ist das Ausspielen der Generationen bzw. Landesstellen kontraproduktiv und eine Demotivation, die so nicht hinnehmbar ist."

Unverdiente Ansprache

Prebio verlangt nun einen verantwortungsvollen Umgang mit den Mitarbeitern, die mit großem Arbeitseinsatz "das Werkl einigermaßen am Laufen halten". Schlusswort an die Belegschaft: "Ihr habt euch diese Ansprache nicht verdient."

Wie berichtet geht es in der Causa um die Umsetzung des gemeinsam mit Raiffeisen IT entwickelten Projekts Zepta, bei dem die Verwaltung digitalisiert wird. Probleme bereiten vor allem das Einscannen der Post und die weiteren Abläufe der Akten. Pinggera hat Akutmaßnahmen in Aussicht gestellt, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Von den von ihm versprochenen zusätzlichen Scannern und Mitarbeitern sei aber nichts zu sehen, sagten zwei leitende Angestellte.

Der Einsatz für das Projekt war jedenfalls beträchtlich. In der PVA wurden Mitarbeiter umgeschult, 2012 und 2013 arbeiteten mehr als 90 Personen für das Projekt. Allerdings soll es zu Konflikten mit den externen Beratern gekommen sein. Warnungen, dass Zepta in der Praxis nicht funktionieren werde, seien ignoriert worden, heißt es. Die Tesläufe seien überaus fehlerhaft gewesen.

Indirekt betroffen sind auch Bauern-, Eisenbahner- und gewerbliche Sozialversicherung, die Zepta mitfinanzieren. Bei ihnen soll die Umstellung aber erst später erfolgen. (as, 16.12.2015)

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    foto: apa/fohringer
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