Gföhler Gemeinderat ehrt umstrittenen Altbürgermeister

16. Dezember 2015, 16:12
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Stadtchef war 2013 nach Rassismus- und Antisemitismusvorwürfen zurückgetreten

Gföhl – Dem 2013 nach einer rassistisch-antisemitistischen Äußerung zurückgetretenen Alt-Bürgermeister von Gföhl (Bezirk Krems), Karl Simlinger (ÖVP), wird für seine jahrzehntelangen Verdienste um die Stadt der Ehrenring verliehen. Der Gemeinderat habe die Ehrung am Dienstagabend in geheimer Abstimmung mit Zweidrittelmehrheit beschlossen, sagte Bürgermeisterin Ludmilla Etzenberger (ÖVP) am Mittwoch.

"Ehrung eines Judenhassers untragbar"

Noch im Oktober war ein von der ÖVP vorbereiteter dementsprechender Beschluss durch den Auszug der anderen Fraktionen verhindert worden. Im Vorfeld der jüngsten Sitzung hatte das Mauthausen Komitee am Dienstag seine Kritik erneuert: "Die Ehrung eines Judenhassers wäre untragbar", hieß es in einer Aussendung. Rassismus und Antisemitismus mit einer Ehrung zu "belohnen" sei ein Skandal, meinte der Bund Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer/innen.

Der Gemeinderat von Gföhl sei "unbelehrbar", reagierte die Israelitische Kultusgemeinde in einer Aussendung auf die beschlossene Ehrung des nach einer rassistisch-antisemitischen Äußerung zurückgetretenen Altbürgermeisters entrüstet. Ein derartiges Verhalten habe der jüngeren Generation gegenüber keine Vorbildwirkung hinsichtlich einer humanistischen und demokratischen Persönlichkeitsentwicklung.

Entschuldigung für "Ausrutscher"

Etzenberger hoffte im APA-Gespräch, dass das Thema nun abgeschlossen und endlich Friede in der Causa einziehen werde. Sie hielt der Kritik entgegen, dass der Altbürgermeister sich für seinen "Ausrutscher" entschuldigt und nach den gegen ihn gerichteten Vorwürfen auch die Konsequenzen gezogen habe. Die Staatsanwaltschaft habe das Verfahren eingestellt. Simlinger werde für seine Leistungen für Gföhl, die keine Partei in Abrede stelle, gewürdigt.

Aussage widersprach "Weltbild"

Mehreren Zeugen zufolge hatte Simlinger vor zwei Jahren bei einer nicht öffentlichen Sitzung gesagt: "Mir gehen die Scheiß-Asylanten sowieso am Oarsch, aber schuld sind die Pressefritzen, die gehören aufgehängt, de san wia de Juden." In der Folge erklärte er, er habe sich "zu einer Aussage verleiten lassen, die meinem Weltbild und meiner persönlichen Einstellung eklatant widerspricht." (APA, 16.12.2015)

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