NSU-Prozess: Mutmaßlicher Terrorhelfer weiß von nichts

16. Dezember 2015, 13:49
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Ex-NPD-Funktionär soll bei Morden benutzte Waffe besorgt haben

München – In dem Prozess gegen die rechte Terrorzelle NSU in Deutschland hat nach der Hauptangeklagten Beate Zschäpe nun auch der mutmaßliche Terrorhelfer Ralf Wohlleben überraschend sein Schweigen gebrochen. Wohlleben begann am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München seine auf etwa eine Stunde angesetzte Erklärung zu den Vorwürfen der Anklage.

Der ehemalige NPD-Funktionär ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Er soll die Waffe besorgt haben, mit der neun Migranten erschossen wurden.

Wohlleben will von der Gewaltbereitschaft seiner damaligen Freunde, die 2011 mutmaßlich durch Suizid gestorbenen NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt nichts gewusst haben. Das Verhalten der beiden habe keinen Anlass gegeben, zu vermuten, dass sie mal schwere Straftaten begehen würden, sagte Wohlleben am Mittwoch vor dem Münchner Oberlandesgericht. Er räumte aber ein, nach dem Untertauchen des NSU-Trios – Böhnhardt, Mundlos und Beate Zschäpe – Kontakt zu den Dreien gehabt zu haben. Es sei zu mehreren Telefonaten gekommen. In einer Wohnung in Chemnitz habe er sie dann zum ersten Mal wiedergetroffen. Später sei es zu weiteren Treffen gekommen.

"Schlagfertig, witzig und sehr sympathisch"

Mit Zschäpe habe man gut und lange reden können. Sie sei schlagfertig, witzig und ihm sehr sympathisch gewesen. Eine Schlüsselrolle bei der Formierung der verschiedenen Gruppierungen – insbesondere des "Thüringer Heimatschutzes" – sprach Wohlleben Tino Brandt zu, der damals V-Mann des Verfassungsschutzes war.

Die Erklärung Wohllebens folgte eine Woche nach der Erklärung von Zschäpe, die von deren Verteidiger verlesen worden war. In den bisher gut zweieinhalb Jahren Prozessdauer hatten zuvor sowohl Zschäpe als auch Wohlleben konsequent von ihrem Recht zu Schweigen Gebrauch gemacht. Nachdem sich beide geäußert haben, schweigt inzwischen von den insgesamt fünf Angeklagten nur noch der mutmaßliche NSU-Helfer André E.

Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe sollen 1998 in den Untergrund gegangen sein und dort unerkannt die mutmaßliche Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) gebildet haben. Das Trio soll zehn Morde, zwei Bombenanschläge und fünfzehn Überfälle verübt haben. Zschäpe ist als Mittäterin dieser Taten angeklagt. In ihrer Erklärung wies sie dies in der vergangenen Woche zurück. (APA, 16.12.2015)

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