Blogger Badawi erhielt Sacharow-Preis

16. Dezember 2015, 13:12
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Ehefrau nahm Auszeichnung für ihren Mann entgegen – Ensaf Haidar rief zu Schweigeminute für Terroropfer auf

Straßburg – Der inhaftierte saudi-arabische Blogger Raif Badawi ist am Mittwoch in Straßburg mit dem Sacharow-Preis des Europaparlaments "für die geistige Freiheit" ausgezeichnet worden. Seine Ehefrau Ensaf Haidar nahm die Auszeichnung stellvertretend für ihren Mann entgegen. Das Parlament verlangte Badawis sofortige Freilassung.

"Im Namen von uns allen fordere ich erneut König Salman bin Abdulaziz al-Saud auf, Raif Badawi zu begnadigen und ihn sofort und ohne Auflagen freizulassen", sagte Parlamentspräsident Martin Schulz, bevor er den Preis unter minutenlangem Applaus der Abgeordneten Haidar übergab. Die Ehefrau des Bloggers rief in ihrer Dankesrede zu einer Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge auf.

"Es ist für mich eine große Ehre, hier vor ihnen sprechen zu dürfen. Ich hätte gerne gehabt, dass mein Mann den Preis persönlich in Empfang nimmt", sagte Haidar. "Raif ist kein Verbrecher, er hat niemanden verletzt, er ist ein Freidenker. Ihm wird vorgeworfen, dass er seine Stimme frei erhoben hat. Er träumt von einer besseren Welt, die Andersdenkende akzeptiert." Die Preisverleihung im EU-Parlament bezeichnete sie als historischen Augenblick. Es sei bereits die 15. Auszeichnung, "die mein Mann innerhalb eines Jahres bekommen hat".

Appell an Riad

"Ich hoffe sehr, dass wir Raif Badawi in naher Zukunft persönlich hier im Plenarsaal empfangen können", sagte Schulz. "Wir fordern die saudischen Behörden auf, die systematische Unterdrückung von friedlicher Meinungsäußerungen zu beenden." Außerdem müsse Saudi-Arabien seiner Zusage nachkommen "und das System der männlichen Vormundschaft gegenüber Frauen endlich abschaffen, das gehört nicht ins 21. Jahrhundert", so der Parlamentspräsident. Europa sei zum Dialog bereit, ein solcher "zwischen der EU und Saudi-Arabien könnte dazu beitragen, die Lage zu verbessern".

Der ÖVP-Europaabgeordnete Othmar Karas verurteilte in einer Aussendung, dass Saudi-Arabien Badawi daran hinderte, an der Preisverleihung teilzunehmen, und ihn in Isolationshaft verlegt hat. Die Isolationshaft sei "ein Schlag ins Gesicht der Menschenrechte".

Die Preisverleihung solle ein Umdenken in Saudi-Arabien befördern, sagte der SPÖ-Europaabgeordnete Josef Weidenholzer. "Mein größter Wunsch ist, dass Raif Badawi unverzüglich freigelassen wird und zu seiner Frau und seinen Kindern reisen darf", so Weidenholzer. "Die Einhaltung der Menschenrechte muss Prüfstein für unsere Beziehungen zu Saudi-Arabien sein. Wir drängen unmissverständlich darauf, dass die Menschenrechte eingehalten werden." (APA, 16.12.2015)

  • Haidar und Schulz bei der Laudatio.
    foto: afp photo / patrick hertzog

    Haidar und Schulz bei der Laudatio.

  • Plakate rufen zur Freilassung Badawis auf.
    foto: afp photo / stephane de sakutin

    Plakate rufen zur Freilassung Badawis auf.

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