Saudi-Arabien und der Jihadismus: Exklusives Bündnis

Kommentar15. Dezember 2015, 17:36
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Mohammed bin Salman schmiedet sich sein eigenes Bündnis

Ob die Welt eine neue große militärische Länderallianz gegen den – nicht näher definierten – Terrorismus braucht, sei dahingestellt: Es wäre im Moment schon ganz nützlich, wenn alle staatlichen Akteure, die in die Konflikte im Vorderen Orient verstrickt sind, wirklich ernsthaft gegen den "Islamischen Staat" und die ihm zugrunde liegende Ideologie vorgingen.

Saudi-Arabien zum Beispiel, das die neue Initiative, der 34 Staaten angehören, ins Leben gerufen hat, fuhr zuletzt seine Beteiligung an der US-geführten Anti-IS-Allianz zurück. Dafür gibt es Gründe: das gleichzeitige militärische Engagement im Jemen, aber auch die generelle Unzufriedenheit mit der US-Nahostpolitik. Dass Russland ein ganz großes Bündnis schmieden will, kommt in Riad auch nicht gut an. Also macht sich der junge Verteidigungsminister, Vizekronprinz und Königssohn Mohammed bin Salman in der ihm eigenen aktivistischen Art eben sein eigenes.

Man könnte es auch als Unterorganisation der Organisation für Islamische Kooperation (OIC) definieren: Draußen bleiben jene Länder, in denen andere als sunnitische Muslime – etwa Schiiten – politische Macht haben. Das macht die neue Allianz trotz der großen Anzahl an Mitgliedern zu einer exklusiven. Und das Auswahlkriterium legt die Botschaft nahe, dass, obwohl die entgleisten Jihadisten von IS und Al-Kaida nun als Problem identifiziert sind, auch "die Schiiten" irgendwo auf der Terrorliste stehen. (Gudrun Harrer, 15.12.2015)

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