Wer braucht schon eine Bank?

Kommentar15. Dezember 2015, 17:19
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Der Kehraus der Bank Austria stellt erst den Anfang einer Strukturbereinigung dar

Mit der Schrumpfkur der Bank Austria brechen für den heimischen Kreditapparat neue Zeiten an. So bitter der Kahlschlag für betroffene Mitarbeiter und für manchen Kunden ist: Er ist erst der Anfang einer Strukturbereinigung des überbesetzten Bankplatzes, die jetzt so richtig ins Rollen kommt. Die kapital- und ertragsmäßig stark unter Druck geratenen Institute werden noch viele Federn lassen müssen – ein Drittel der Stellen ist nach Expertenschätzung gefährdet. Vorausgesetzt, die Banken überleben, was gar nicht so sicher ist.

Gefahren drohen von der Digitalisierung und dem derzeitigen Umfeld: Im klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft ist nur noch wenig Geld zu verdienen, abzüglich Risikokosten für Schieflagen oder gar Pleiten verfärben sich die Zahlen unter dem Strich zusehends rot. Je nachdem, wie lange die Nullzinsphase anhält, wird das traditionelle Massengeschäft mehr zum Belastungs- als zum Ertragsfaktor. Der Grund: Die Kreditzinsen sinken mit den Leitzinsen der Notenbank, die Sparer kann und will man aber nicht mit Negativrenditen vergraulen. Somit geht es nicht nur um Filialschließungen und Digitalisierung – das sind ohnehin stattfindende Prozesse –, sondern ums nackte Überleben.

Denn auch die vielfach erprobten Ausflüge in höher rentierliche Bereiche sind für die Gelddinosaurier leichter gesagt als getan. Ein Beispiel: Das auch von der Bank Austria anvisierte Feld der Betreuung betuchter Klientel wird zusehends von spezialisierten Vermögensverwaltern, Fondsgesellschaften und Investmentboutiquen abgegrast.

Bleiben somit im Wesentlichen neben dem Zahlungsverkehr die höherwertigen Dienstleistungen, sei es im Kommerz- oder im Privatkundengeschäft. Hier können klassische Banken weiterhin punkten, vorausgesetzt, die Qualität stimmt. Die kann klarerweise nicht pauschal beurteilt werden. Fälle, in denen der Kunde mehr den Berater berät denn umgekehrt, soll es geben. Die notwendige Kompetenzsteigerung können Banken vor allem dann bewerkstelligen, wenn sie ihre Spezialisierung in manchen Bereichen erhöhen und dafür andere Geschäftssparten abstoßen. Das spricht nicht gerade für das in Österreich verwurzelte System der Universalbanken.

Dann wäre da noch der Zahlungsverkehr, der dank wertvoller Informationen eigentlich einen Trumpf der Banken darstellen sollte: Wer im Besitz der Kundendaten ist, hat auf dem Markt die Nase vorn. Doch die Vielzahl an parallelen, viel zu teuren IT-Systemen im heimischen Geldsektor macht aus dem Kapital eine Angriffsfläche. Zumal sich gerade hier die digitalen Schwergewichte Apple und Google sowie eine Vielzahl innovativer Finanzdienstleister (Fintechs) tummeln.

Das erhöht den Druck in Richtung Strukturbereinigungen. Dass Raiffeisen mit seinen drei Stufen (und der damit verbundenen Fülle an Direktorenposten) in der jetzigen Form bestehen bleibt, erscheint fraglich. Nicht gänzlich anders sieht es im Sparkassensektor aus. Ob die Volks- und Hypothekenbanken langfristig eine Daseinsberechtigung haben, steht in den Sternen, und auch die Zukunft der Bawag ist wegen des absehbaren Verkaufs ungewiss. Sektorinternen Verschlankungen werden wohl Fusionen folgen.

Die Bank Austria hat den Handlungsbedarf spät, aber doch erkannt. Sie speckt ab. Das beantwortet aber nicht die Frage, ob das Institut – wie die ganze Branche – noch gebraucht wird. (Andreas Schnauder, 15.12.2015)

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