Mensdorff-Pouilly: Vom Jäger im Gatter zum Grafen hinter Gittern

Kopf des Tages15. Dezember 2015, 17:24
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Der Berater und Lobbyist fasste im Tetron-Prozess drei Jahre unbedingt aus

Sein hartes Urteil im Blaulichtfunkprozess nahm Alfons Mensdorff-Pouilly unfreiwillig komisch auf: "Ich habe keine Ahnung, was drei Jahre sind. Ich bin noch nie drei Jahre gesessen." Auch wenn der Richterspruch nicht rechtskräftig ist, zumindest mit den rauen Umständen in U-Haft hat der umtriebige Adelige schon reichlich Erfahrung gemacht.

Beschwerde wegen Rasierer

Etwa 2009, als der 62-jährige Großgrundbesitzer, der mit vollem Namen Alfons Eduard Alexander Antonius Maria Andreas Hubertus Christoph Mensdorff-Pouilly heißt, aber auf den Spitznamen "Graf Ali" hört, in seinem Schloss in Luising wegen des Verdachts auf Geldwäsche im Zuge von Zahlungen des britischen Waffenkonzerns BAE Systems festgenommen wurde: Bereits am zweiten Tag "im Häfen" habe er gefragt, "ob sie einen Job für mich haben", erzählte er später, wieder auf freiem Fuß. "Ich kann auch Klo putzen, hab' ich dem Wärter gesagt." Weniger angenehm hat der Lobbyist die Gefängnisse Londons (wegen Beschuldigung der Korruptionsabsprache) in Erinnerung. Der dort erhaltene Rasierer war gebraucht – was mit einer Hepatitis-Impfung, aber auch einer Einstellung des Verfahrens samt Haftentschädigung in der Höhe von 377.000 Pfund endete.

Gripen und Eurofighter

Denn trotz zahlloser Vorhalte rund um Rüstungsdeals (Gripen, Eurofighter und Co) hat Mensdorff-Pouilly bis dato bloß zwei Monate bedingt wegen Beweismittelfälschung ausgefasst, ehe er im Tetron-Prozess über den fehlenden Leistungsnachweis für die Telekom gestolpert ist, von der er 1,1 Millionen kassiert hat.

Fasane und Frischlinge

Nicht zuletzt wegen seiner (kinderlosen) Ehe mit der ehemaligen Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat, die den Urteilsspruch nicht mehr überstanden hat, galt der Burgenländer mit der ÖVP stets als bestens vernetzt. Genützt haben ihm dabei freilich auch die legendären Einladungen auf sein Anwesen, denen nicht wenige Schwarze nur allzu gern folgten. Unter anderen soll der Fasanzüchter, der mit Straußen gescheitert ist, einst dem Kabinett von Innenminister Ernst Strasser ein Wochenende zur "Saujagd" angetragen haben – davor gab es angeblich ein paar Frischlinge "zum Aufwärmen".

Gatter und Zellen

Doch wegen seiner berüchtigten "Gatterjagden" hat Mensdorff-Pouilly längst auch die Tierschützer am Hals. Als das Unangenehmste am Eingesperrtsein hat er selbst einmal die verschlossene Acht-Quadratmeter-Zelle genannt. Erneut hinter Gittern, bliebe dem Grafen Zeit, auch über seine Gatter nachzudenken. (Nina Weißensteiner, 15.12.2015)

  • Zumindest mit den rauen Umständen in U-Haft hat der umtriebige Adelige schon reichlich Erfahrung gemacht.
    foto: apa / helmut fohringer

    Zumindest mit den rauen Umständen in U-Haft hat der umtriebige Adelige schon reichlich Erfahrung gemacht.

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